The Project Gutenberg EBook of Hamsun / Flaubert, by Kasimir Edschmid This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org Title: Hamsun / Flaubert Zwei Reden Author: Kasimir Edschmid Release Date: November 6, 2012 [EBook #41306] Language: German Character set encoding: ISO-8859-1 *** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HAMSUN / FLAUBERT *** Produced by Jens Sadowski Die Schwarzen B點her 2/3 Erstes bis f黱ftes Tausend Copyright 1922 by Wolf Albrecht Adam Verlag Alle Rechte vorbehalten Kasimir Edschmid HAMSUN / FLAUBERT Zwei Reden * 1򊷲�2 Wolf Albrecht Adam Verlag Hannover Die beiden Reden wurden Neunzehnhundertzwanzig und Neunzehnhunderteinundzwanzig zum erstenmal im Hessischen Landestheater in Darmstadt gehalten und darauf an vielen Orten. Die erste 黚er Hamsun und die Situation der europ鋓schen Literatur anl溥lich der Zuteilung des Nobelpreises an Hamsun, die andere zu Flauberts hundertstem Geburtstag am zw鰈ften Dezember Neunzehnhunderteinundzwanzig. Hamsun Seite 9--37 Flaubert Seite 39--70 Hamsun Den Namen Hamsuns nennen, hei遲 von gro遝r europ鋓scher Literatur reden. Er gesellt sich sofort zu Tolstoi, Wedekind, d'Annunzio, Giovanno Pascoli, zu Chesterton und Shaw, zu Strindberg und Barbusse und Flaubert. Er ist, in diesen Zusammenh鋘gen, als nordischer Bruder Strindbergs ganz repr鋝entativ zu Hause in dieser Gemeinschaft der bedeutenden europ鋓schen K鰌fe. Im verkleinerten Kreis der Romanciers aber gibt es au遝r Gorki und Anatole France niemand mehr neben ihm. Er scheint sogar berufen, in diesem Triumvirat Deutschland zu vertreten, denn einen deutschen Roman hat es nie gegeben. Immer war das westeurop鋓sche Gesicht am deutlichsten in Frankreich, da neigt sich Europa schon sch鰊 gegen das strahlende Afrika und den asiatischen, t黵kischen Eroberer. Im Mittelalter brachten die Mauren orientalischen Einflu� nach Spanien, und spanische Troveres entz黱deten erst feurig her黚erreitend die Provence und den Norden Frankreichs, und die herrlichsten der deutschen Epiker, der Hartmann von Aue, der Gottfried von Stra遙urg und der von Eschenbach w鋜en nie erstanden ohne Chrestien von Troies und Bennoit de St. More und den Herrn von Britanje. Von den Amadis- und Rosenromanen bis zu Voltaire und Balzac und dem heutigen Anatole France ist der westeurop鋓sche Roman stets in wundervoller Linie in Frankreich zu Hause gewesen und in seinen B點hern steht die Geschichte abendl鋘discher Menschheit am deutlichsten und mit der besten Tradition geschrieben. Die letzte und z鋜tlichste Bl黷e ist Anatole France. Das osteurop鋓sche Gesicht ist in Ru遧and zu einer ungeheuerlichen und barbarischen Sonne aufgestanden und es scheint, als ob die m黡ere und abgekl鋜tere Geistigkeit Frankreichs in die Verteidigungsstellung k鋗e. In Dostojewski und Gorki und dem in ihrer Mitte stehenden Tolstoi sind gewaltige geistige Spannungen in die neue Welt getreten, und Asien, das die Franzosen, die es von den Spaniern schon gekeltert 黚ernahmen, in eine entz點kende Europ鋓schkeit gebunden und damit grazi鰏 黚erwunden hatten, bereitet von der anderen Seite der Halbkugel einen furchtbaren Einfall in Europa vor. Zwischen diese europ鋓schen Geistesspannungen sind die Deutschen gelagert, aber es gibt kein gro遝s, hell beschienenes Gesicht, das sich unter ihnen zwischen den beiden, mitteleurop鋓sch, erh鯾e. Es wird es auch nie geben. Es gibt auch keine deutsche Politik, die von Antwerpen bis nach Bagdad langte. Denn schlie遧ich sind auch die Deutschen alle irgendwie Westeurop鋏r, was sogar die Antibolschewisten betonen, und haben durch den Schu� Christentum, der ihre eigentlich ausgesprochen heidnische Einstellung band und gestaltete, wahrlich f黵 alle im Kulturablauf bis zum Absterben ihrer Rasse verbleibenden Jahrhunderte unter allen Umst鋘den genug Asien im Blut. Wenn im Umkreis der gottgewollten Jahrhunderte die f黨rende Macht des Geistes bei Nachlassen der europ鋓schen Energie einmal wieder Koreanern und Chinesen zuf鋖lt, wenn in Tibet ein Bergstamm ein neues gigantisches Pulver, in Timbuktu ein neuer Heiland eine neue gro遝 Idee entdecken und uns, bis dahin M黡e und Morsche, ganz damit erledigen wird, dann ist es ja v鰈lig gleich, unter welchen Umst鋘den wir mit unserer Halbkugel untertauchen. Bis dahin sollte man aber so stolz sein, mit erhobenen Nacken sich als westliche Europ鋏r zu f黨len und sich keine falschen Sehns點hte zu suggerieren. Was den duldsamen asiatischen Russen mit ihrem sehr gro遝n, aber sehr abscheulichen Satrapen Dostojewski gut ist, ist den Deutschen sicher nicht, noch viel weniger aber den romanischen V鰈kern bek鰉mlich. Sie haben in dem Empfinden der Volksmassen viel zu wenig Sinn f黵 das 躡ersinnliche und gar keine Mystik und ohne Ausnahme noch viel zu viel innere Bereitschaft f黵 Bankkonten und Sparkassenb點her und viel zu viel, Gott in seiner Langmut scheinbar immer noch wohlgef鋖lige, Sehns點hte nach L鋜m und Milit鋜 und kriegerischen Fahrten. Die Russen sind eine asiatische Kinderschar mit einer unbeschreiblichen gl鋟bigen Naivet鋞 des Empfindens und einer ungeheuerlichen Bereitwilligkeit zu leiden und zu dulden. Die romanischen Westeurop鋏r hatten die asiatische Geisteswelle, die mit den blonden Mauren 黚er die Pyren鋏n mit herrlichen Kulturen st鋟bte, mit ihrem europ鋓schen Geist 黚erwunden. Heute ist der Anprall des eroberers點htigen russischen Geistes auszuhalten. L黦e man sich doch nicht vor, Figuren Dostojewskis zu sein. Die Deutschen sind wahrlich n鋒er bei Maupassant, so wenig elegant sie sind, als bei den Nervenkavalkaden dieses Asiaten. Jedenfalls hat der europ鋓sche Januskopf heut nur diese beiden Gesichter. Die Aufgabe der Deutschen k鰊nte sein, von beiden nehmend zu erstarken und einen neuen europ鋓schen Typ heraufzuf黨ren, der in diesem Sinne noch nicht existiert. Das w鋜e ein gro遝s und bedeutendes Unternehmen. Jedenfalls kann man nicht, wie von Hirnliliputanern geglaubt wird, so wenig wie einem K鰎per das Herz, der Zeit ihre Kunst aus dem Leibe schneiden und f黵 sich allein gut pr鋚arieren und besehen. Man sieht dann wahrhaftig nicht mehr wie etwas Muskulatur, aber von Seele keinen Fetzen. Wenn man sagt, es g鋌e keinen deutschen Roman, in dem das Schicksal und die Seelengefahr und das t鰀liche Gl點k unserer Erdstriche so genau und sch鰊 gezeichnet sei wie in dem der Russen und Franzosen, spricht man gegen die Mentalit鋞 der Deutschen, aber nicht gegen ihre Kunst, der an Liebe und Begeisterung f黵 ihre Gr鲞e und ihr Ungl點k eine andere voranzusetzen nichts anderes als eine l鋍herliche Einf鋖tigkeit w鋜e. Der Mangel von heute kann jede Berufung von morgen sein und, wo aus der mangelnden Tradition her die Gleichheitslinien des Typus fehlen, ist wahrlich wundervolle Gr鲞e chaotisch get黵mt. Seit Gottfried Keller hatte man jedenfalls keinen Roman, der, Keyserling vielleicht ausgenommen, repr鋝entativ f黵 den Ausdruck der Zeit und der nationalen Gr鲞e sich auch einem europ鋓schen Publikum als der wahrhaft deutsche zeigen k鰊nte. Die Deutschen schrieben viel zwar 黚er die B鋍he und die Berge der Heimat, 黚er die Eheirrungen der einzelnen Gesellschaftsschichten, 黚er den Tod, sei er in B黮z oder Venedig zu Hause, 黚er die Liebe, sei sie die des Verfassers der G鰐tinnen oder des wilden Panizza oder die christliche des Herrn R鰐tger, 黚er die Kaufleute, sei es in Hamburg oder in Rottach, sei es von Ludwig Thoma oder der Boy-Ed oder dem Thomas Mann . . . das alles blieben zum Teil erb鋜mliche, zum Teil hinrei遝nde Sachen, aber: es blieben Monologe und Konversationen von einer Coup閟eite zur anderen, es wurde keine europ鋓sche Unterhaltung und es gab wahrlich keinen einzigen Geiger, dessen Ton in das Orchester der europ鋓schen Konzerte einen Klang gebracht h鋞te, an dessen Wehmut und Stolz, an dessen Zerrissenheit und barbarischer Sehnsucht, an dessen Gr鲞e und Verhaltenheit ein internationales Publikum wie unter einer magischen Ber黨rung gar kein anderes Gef黨l h鋞te haben k鰊nen, als da� dies lediglich der deutsche Ton sein k鰊nte und nichts anderes auf dieser schiefen Welt. Diese Mission in diesem Sinne kommt den Deutschen heute nicht zu. Aber auch die germanische Repr鋝entation ist ihnen nicht zugefallen. Sie sind von slawischen und romanischen Meeren zu sehr umfa遲, als da� sie nicht im rein Germanischen schon sehr zersetzt seien. Selbst Goethe stammt aus dem romanischen Bereich, und der gro遝 Imperialist Bismarck war zur Mehrzahl Slawe. Auch die Engl鋘der, die politisch festgehalten waren, haben keinesweg anst鋘dig Germanisches geschaffen. Ihre pr鋜afaelitische Mystik schwimmt in verdammtem Parf黰, Shaw ist ein sozialistischer, Chesterton ein katholischer Kelte. Das Volk hat ungew鰄nliches Weltgef黨l und eine Linie in die europ鋓sche Tafel gezogen von Sch鋜fe und Kontur wie kein Volk, aber 黚er das Zivilisatorische hinaus grenzt ihre geistige Anmut an den Kitsch. Mit Staatsm鋘nern, Shagpfeifen, B鰎sen, Hockey und Burburry-M鋘teln erobert man vielleicht die Erde, aber nicht die geistige Gr鲞e. Die englischen Germanen sind berufen, in der Wirklichkeit der Tatsachen jene weltm鋘nische Rolle zu spielen, die im Geistigen hier ohne Pause gesucht wird. Diese Rolle ist nach Skandinavien gelegt worden, und es ist ein seltsames Verh鋖tnis des Ausgleichs, wie sehr diese kleinen L鋘der, die politisch bedeutungslos sind, bei denen von Eroberung der Welt wenig die Rede sein kann, und die auch sonst abseits des weltlichen Getriebes liegen, geistig eine Rolle spielen, die in einem riesenhaften Verh鋖tnis zu ihrer sogenannten Macht steht. Hier hat das Germanische sich am geschliffensten und echtesten erhalten. Da ist sein Zentrum zur點kgekehrt in den Norden, aus dem die Str鰉e der V鰈ker seinerzeit ausgeflossen waren. Da haben die Menschen noch die wei遙londen Haare und die gereckte K黨nheit, die sie gegen die Gletscher und das Eis einst k鋗pferisch stellte. Sie sind voll vom Blutsaft der alten Traditionen, auf den F鋜鰁rinseln singt man noch die altnordischen Weisen, in Lappland lebt der alte G鰐terglaube noch. Dazu hat sich angesammelt, was die Wikingerfahrten aus s黡licher Se, von syrakusaner Himmeln und afrikanischen Sonnen mitgebracht haben, und die Tragik der lombardischen und keltischen Z黦e, die Schicksale jener nordischen Horden, die teils an den romanischen Mauern sich zerschlugen, teils neue Reiche bauten, hat sich erlesen in ihnen ausgereift. Es ist etwas m黡 鋟遝rlich in den Gedanken des Nordens zur點kgekehrt. Die imperialistischen Tr鋟me sind getr鋟mt. Die Rolle hat jedes Volk einmal gespielt, die Welt beherrschen zu wollen, selbst Holland und Portugal und Belgien schritten auf dem Regenbogen des Machtwahnsinns daher, aber die Vorsehung spielt ihr Abl鰏ungsspiel mit immer erneuter Ironie, doch kein Volk hat den Blick, ihre Kom鰀ie zu durchschauen, und jedes rennt fanatisch und mit irrsinnigen Rufen, die alten Masken vorm Gesicht, auf die Kanonenrampe. Schweden hat die Epochen seiner Eroberungen mit Karl dem Zw鰈ften begraben, D鋘emark f黨rt keine Eroberungsz黦e mehr, um den Norden zu unterjochen. Von Norwegen sto遝n keine Seer鋟berheere mehr nach der Provence und Sizilien. Das ist vorbei. Die Zeit der Maschinenschlachten und der Dutzendmillionenheere hat Resignation gebracht. Wenn Europa nicht stirbt, gibt es vielleicht einmal eine sp鋞ere Zeit, die auf diese Landreservate zur點kgreift, um sie mit weiserem Hohn l鋍helnd gegen die aufgeblasenen Sieger von heute auszuspielen. Vielleicht sind es dann geistige Waffen, mit denen sie siegen oder irgendein Instrument, das vorzieht, bei der Minderheit nur zu funktionieren. Vielleicht lernen sie die Sonne einzuwecken oder das Kohlenatom zu sprengen, um mit zweitausendmal mehr Dynamik in das europ鋓sche Konzert zu treten. Zwei Jahrzehnte nach Neunzehnhundertzwanzig ist von all diesen Weltdingen bei ihnen kein Wort mehr f鋖lig. Sie sitzen machtpolitisch auf dem Trockenen und wissen es nicht anders. Auch industriell sind sie nicht allzugl鋘zend eingerichtet, im Krieg hatten sie zum Teil kein Brot und wurden von Amerika wegen deutscher Sympathien schlecht behandelt, Norwegen ausgenommen, wo man die Deutschen gerne schlachtete, weil sie den Reedereien das Gesch鋐t mit den Ubooten allzusehr erschwerten. Aber in all diesen pr鋍htigen germanischen Figuren ist die Erinnerung ihrer mythischen Vergangenheiten noch wach, ihre Tr鋟me sind belastet mit der reinen Gr鲞e der Jahrhundertfahrten, und die Edda und die Zauberspr點he haben sich nicht verloren bei dieser direkten Rasse. Vor allem stehen sie der Mystik n鋒er, ihre langen wei遝n N鋍hte und die Herbheit der Landschaft und die Gr鲞e der unsterblichen Meere verweben sie in h鰄er gespannte Zusammenh鋘ge. Der nordische Mensch ist ein n點hterner Kostg鋘ger, gut und sehnig gewachsen, voll beispielloser K鰎perkultur, aber in dem Leben des Geringsten unter ihnen n鋒ert sich irgendeine Stelle schon dem 躡ersinnlichen. Ihnen str鰉t das mystische Element aus der N鋒e der unheimlichen Erdpole und aus der g鰐ternahen Schwere ihres n鰎dlichen Blutes zu. Bei den Franzosen ersch鰌ft sich das Mystische in den Kathedralen oder in legend鋜er Katholischkeit, die Italiener pirschen sich darin bereits 黚er den Eros in die glatte Sinnlichkeit, bei den Deutschen schw鋖t es durch das Gr黚lerische zu der lodernden Ekstase. Die Slawen haben es bis in die Fingerspitzen der Nerven gezogen und haben sich damit bis in die Geisteskrankheit begeben mit der Form, wie sie dem D鋗on des Leids sich fatalistisch schenken. Bei den Nordl鋘dern ist eine wundervolle Brechung des Lichtes. Da scheinen Athleten und sachliche Sportsleute wie vor einem 黚ersinnlichen Gestrahl zu scheuen, es dringt in ihr Blut und sie haben alle f黵 ihr ganzes Leben eine Zweigespaltenheit, indem ihre H鋜te immer gegen das Verschleiernde in ihnen k鋗pft. Sie sind wie gegen ihren Willen einbezogen in Zusammenh鋘ge jenseits ihrer Welt. Sie stehen immer zur H鋖fte in der unwirklichen Existenz der langen geheimnisvoll wei遝n N鋍hte des Sommers. Sie besitzen fast alle ein Geringes vom zweiten Gesicht. Wenn ihre n鰎dlich gefahrenen Schiffer aus der Zone der h鰄eren Wendekreise zur點kkehren, dann sehnen sie sich wie Verschmachtende nach dem Dunkel, sie haben wochenlang keine N鋍hte gehabt und konnten nicht schlafen und sie begehren das Dunkel mit Inbrunst wie man nach Geliebten aus ist, sie haben das Verlangen nach Nacht, um sich vor der 黚ergro遝n Helligkeit dahinein zu verkriechen. So ist die Seele aller nordischen Menschen durchschienen, sie haben alle den Drang nach etwas auszubrechen, was au遝rhalb ihrer t鋑lichen Welt ist. Es ist, als sei der Nordpol mit sagenhaften magnetischen Kr鋐ten auf sie gerichtet und ziehe sie in Richtungen, wohin sie nicht wollten, und wohin es sie dennoch dunkel verlangt. Das ist die Spaltung in dem nordischen Menschen, sein Konflikt, sein tragischer Schnitt. Nach 躡erlieferung der Geheimlehre der Vorzeit ist der Raum, in dem wir leben, mit einem anderen unsichtbaren Raum ausgef黮lt, und in den H鋟sern und Stra遝n und Landschaften leben andere uns nicht erreichbare und erf黨lbare Kreaturen der G鰐ter. Das ist das Sinnbild des nordischen Menschen. Das Ger黶t seines K鰎pers ist nur zum Teil sein Bau. Wie von ultravioletten Strahlen erzeugt, die nicht gesehen werden k鰊nen, aber dennoch wirklich sind, ist in ihm ein anderes Doppelleben, von dem er selbst nicht viel wei�. Dies andere Leben ist der Schl黶sel seines Geheimnisses und erkl鋜t die Unbegreiflichkeit seines Wesens und seiner Schicksale und ist der sch鰊e Reiz all seiner Unterg鋘ge. Es ist das Furchtbarste und das Herrlichste an ihm. Die nordischen Menschen tragen alle den geheimnisvollen Kranz unsichtbar, wie die antiken todgeweihten J黱glinge. Was sie auch tun und denken, ist nur ein wacher Traum, denn pl鰐zlich tritt ihre gespenstische andere Seelenh鋖fte an die Stelle der sichtbaren ruhigen und klaren und f鋒rt das Schiff ihres Daseins in den Nebel, und Sein und Nichtsein tauscht sich erschreckend aus. Bald tritt der eine Teil hervor, bald springt der andere vor ihn hin. Manchmal ist in den Literaturen nur ein Lebensgang mit greller Wirklichkeit gezeichnet, aber, wer liest, sp黵t mit allen Sinnen, da� alles T鋟schung ist, da� der geheimnisvolle anderswohin gewandte Andere dahinter steht und sich nicht zeigt und die hergezeigten Dinge nur wie eine Larve vor sich h鋖t. Der nordische Mensch ist nie ohne unsichtbare Abgr黱de hinter sich aufgetreten. Er ist ein Transparent seiner selbst, hinter dem erst die gro遝n unbekannten Naturkr鋐te stehen. Manchmal treten sie einen Augenblick auf die B黨ne und verwirren und blassen wie eine Augent鋟schung sofort wieder ab. Oft zeigen sie sich gar nicht. Aber hier ist sicher dann mit t鰀licher Sicherheit, da� alles, was man so feurig sieht, so unerh鰎t versteht und schmeckt und riecht, so g鰐tlich plastisch und wie Marmor anf黨lt, da� es nichts ist als Blendung und da� es alles bedeutet und jeden Sinn hat, nur nicht den, welchen es mit der uns zugewandten Seite ihres Wesens darstellt. Die Menschen aber sind sehr herb und stolz, sie stammeln manchmal, um nicht zu zeigen, da� sie singen wollen. Sie haben Melodien auf den Lippen, wenn der Gram ihnen auf die Zunge bei遲. Nur wer das Nordland ohne Pause von einer unwirklichen wei遝n Nachtsonne erleuchtet sieht, von einer Eindringlichkeit des flutenden hellen Lichts, wie selbst die zauberhaftesten s黡lichen Mondn鋍hte es nur mit Schw鋍he malen, vermag das Gespenstische der Seelenkurven zu erfassen, mit denen der n鰎dliche Germane sein Leben 鋟遝rt und vollzieht. In der Eleganz, die nicht nur die Kost黰e der Frauen haben, sondern die aus der Haltung der Linie und dem Bewu遲sein der Rasse und alter Kultur der K鰎perpflege kommt (wo im h鯿hsten Norden 鋜mste Bauern eigenes Dampfbad haben), in der Eleganz, die ihre Sprache und ihre nationale Bewegung ausmacht und versch鰊ert, n鋒ert sich dieser Typus den Franzosen. In der 黚ersinnlichen Verwobenheit st鲞t er an den Seelenstand der Slawen. Er f黨rt 黚er seine blonde germanische Herbheit das Se des romanischen Geistes zur gro遝n barbarischen selbst zerst鰎erischen Seelengeste der Russen. Zur Wikingerei seiner ausschweifenden Charakterschw黱ge f黦t er die Urbanit鋞 europ鋓scher Gr鲞e und die Menschheitslinie. Dabei bleibt er in Umrissen, klar wie ein Engl鋘der in Hosenschnitt und Scheitel und Handgelenkbiegung, der helle typische Germane, der Germane, der gl鋘zend speist und lebt und mitten in Daseinss鋐ten steht, trainiert ist und sogar kaprizi鰏e Frauen besitzt, der Germane, der aber in _dem_ Augenblick, wo der Zuschauer ihn glaubt zu kennen und so bestimmen, rasch zur點kschnellt in einen geheimnisvoll 黚erlichteten Nebel, wo Gewolltes und Getanes sich kreuzen, wo Ja und Nein sich nach unbestimmbaren Gesetzen mischen und aufheben, und wo die klirrende Wahrheit des Moments in einer Sekunde schon als 鋐fender Spuk und geheimnisvolle Beziehung entschwirrt. Dies ist der nordische Mensch und sein Geheimnis. Dies ist Knut Hamsun. Die Doppelexistenz l鰏t das R鋞sel der Menschen 黚er das Geheimnis der Literatur. So kommt es, da� der nordische Mensch dasselbe bedeutet wie: Hamsun, ebenso wie Ciceros Name den R鰉er beschw鰎t oder Mozart die Gleichung des Rokoko sofort hinzuf黦t. Bei Hamsun endlich laufen alle Falten und Schatten und alle Erhabenheiten des nordischen Menschen zusammen. Hat sich die nordische Menschheitsfigur erst in allen Situationen und allen ihren Breiten und L鋘gegraden erwiesen, tritt aus der gro遝n Addition der Leidenschaften und Laster und Tugenden die Gestalt des Hamsun als Summe sinnbildhafter Gr鲞e hervor. Man teilt Skandinavien heut in drei K鰊igreiche ein, manchmal war es anders, die einen bekriegten, die anderen beherrschten einander, das wechselte und wird wechseln, es ist nicht wichtig. Die drei Nationen verstehen in der Sprache einander. Den Schweden scheint der d鋘ische Dialekt affenhaft und komisch, die Norweger stottern rauher, finden schwedisch aber keineswegs elegant. Schlie遧ich ist es bei Deutschen der 鋒nliche Fall. Ein Helgol鋘der h鋖t einen bayrischen Gebirgler f黵 einen fremden Teufel, genau so wenig wie ein Pikarde einen lack鋟gigen Provenzalen versteht. Die Rassenmerkmale sind keineswegs das, was eine Nation im geographischen Sinn zusammenh鋘gt, das sind andere und viel f黵chterlichere Dinge. Jedenfalls unterscheiden sich die drei skandinavischen V鰈ker eigentlich nur in N黙ncen. Kopenhagen ist eine neblige, reiche und m鋜chenhaft weiche sch鰊e Stadt. Stockholm ist mit k鰊iglicher K黨nheit an den M鋖ar gestellt. Christiania wird schon von n鰎dlicher Beschattung gespenstisch gezeichnet. Die Norweger laufen Ski, sind fast an den Fingern herzuz鋒len, ein paar hunderttausend, bewohnen d黱n ges鋞 ein riesiges Land, und fast jeder ist, 鋒nlich wie bei den Balten, ein Schriftsteller, jeder Bauer kennt seine zeitgen鰏sischen Dichter genau. Die D鋘en lesen am meisten, sind ein ungemein gewandtes weltm鋘nisches und lebem鋘niges Volk, die elegantesten Typen des Nordens, ein wenig Paris und ein wenig D閏adence, von ungew鰄nlich grazi鰏er Verdorbenheit. Die Schweden sitzen gerne an den Kaminen und lassen sch鰊e Frauen die Lieder des gro遝n S鋘gers Belman singen. Bei den d鋘ischen Weltleuten findet sich dagegen die Literatur mit den buntesten und wechselnsten Farben aufgestellt. Der Zug der d鋘ischen Dichter ist lang, und am Anfang stehen die Policinells und die Harlekine, und dann erst kommen die befrackten Liebhaber des irdischen Schicksals und die neckigen Touristen der Ehetrag鰀ien und hinter ihnen die exotischen Wanderer mit S黡seefedern und afrikanischen Sonnenfanalen und dann die Gelehrten und feinfingrigen Weisen und ganz am Ende erst einige Ankl鋑er gegen die Zeit und wilde Eroberergestalten des Lebens und der geistigen Territorien. Aber keiner aus diesem Zug der Sehns點htigen kann sich selbst unter den betrunkensten Maskeraden dem Bann entziehen, der den nordischen Menschen unwiderbringlich gefa遲 hat und ihn in eine seelische Bew鰈kung hineinzieht, die ihn verd黶tert und n鋒er an das unheimliche Schicksal zieht. Bei jedem der drei遡g oder siebzig zeitgen鰏sischen d鋘ischen Dramatiker, die in der Weise Schnitzlers mit Humor und nicht ohne Geist die Eheprobleme ihres Landes (in dem die Ehe korrumpiert ist wie nirgends in Europa), sp鰐tisch und amusiert behandeln, erscheint sofort nach den ersten Takten die dunkle Unterstr鰉ung, und die Melodie des entsetzlichen Verfallenseins dieser Menschen an eine schwere Blutmitgift rauscht unter dem Foxtrott ihrer Laune tragisch herauf. Die Franzosen verstehen anders ihre Burlesken zu runden und mit skeptischen Grimassen noch eleganter zu sein als das Schicksal, dem sie h鰄nisch und gewi� frivol 黚erlegen applaudieren, wenn sie in 籔orte St. Martin� oder in 籉emina� und 籔orte Royale� die Lustspiele der Nation herunterspielen. Bei den D鋘en aber erscheint pl鰐zlich zwischen Fr鋍ken und S閜ar閟 und Kokotten der Wind des Fatums, der sich ihnen in den Nacken schmei遲 und ihre Gesichter hin黚erwendet in eine bleiche Lautlosigkeit, worauf sie, anders und seltsam geworden, und sich selbst nicht kennend, mit fremden Zungen zu reden beginnen und irre Geste zu machen scheinen. Dann ist der Fremde in ihnen herausgetreten, hat sich verbeugt und als Stellvertreter des seitherigen K鰎perinhabers begonnen, eine zeitlang geheimnisvoll zu figurieren. Alle Nordl鋘der sind Doppelmenschen, und die Kunst f鋘gt da an, wo sie es kapieren k鰊nen. Am wundervollsten hat dies der Norweger Hamsun gekonnt. Die d鋘ischen Lustspieldichter k鰊nen nicht lachen lassen, die Heiterkeit klingt an entferntes Weinen an, hinter Dirnengesichtern leuchtet das Skelett, und die Se jedes Augenblicks ist voll Traurigkeit. Die Heiteren sind hier f黵wahr die am schlechtesten Maskierten, und die Pierrots sind die durchschaubarsten in ihrem Ernst. Dieser Zug ist ein seltsamer Karneval der T鋟schungen, denn die Ernsten und Schweren k鰊nten, da hier sich ja alles und jeder dem anderen widerspricht, vielleicht voll von Laune und Heiterkeit sein! Doch entgeht keiner seiner Doppelnatur und dem Schlag ins Genick, den das Schicksal ihnen allen gibt. Bei Jens Peter Jakobsen und dem fadenfeinen Herman Bang ist die Brechung von dem Blut her gegeben. Diese Menschen tragen ihre Bestimmung mit einer Melancholie schon von der Geburt und haben die t鰀liche Sehnsucht nach der geheimnisvollen Ferne, die bei ihnen Tod hei遲, fr黨 im Fleisch. Aage von Kohl wirft sich umsonst (schon fast Russe in seiner Schreibweise), in die slawische All黵e und verdeckt doch damit nicht sein gezeichnetes germanisches Haupt. Laurids Bruun hat Europa verlassen und die beispielloseste aller Farbens點hte auf Tahiti und den Palauinseln durchlebt, er ist wie ein Gott im Unmittelbaren und Freien und Hellen geschwommen, und J黵gen J黵gensen hat den Kongo entdeckt mit allem Grauen des donnernden Urwalds und den schweigenden N鋍hten voll gro遝m Getier, aber 黚er den H鋟ptern von beiden, die so weit geflohen sind, steht mit einer gewissen 膎gstlichkeit, fast zerbrechlich wie Glas, die halbbelichtete Sonne der nordischen N鋍hte, und keines Palaum鋎chens glatte Frische und keiner Negerin wundervolle Haut und keine Morgenr鰐e um die tropisch und unbek黰mert atmende Natur kann das Gespenst bannen, das alle pl鰐zlich wie eine scheue Herde zu sich hin黚erzieht. Pontoppidan, der das gr鲞te Fresko des sterbenden b黵gerlichen Zeitalters geschrieben hat, Gjellerup, der die m黡e und vornehme Hand nach den indischen Weisheiten hin黚erstreckte, keiner bezwang es oder verbarg es. Madelung 黚erkam es mitten in seinen Fahrten durch Sibirien, wo er mit einer Brutalit鋞 und Genauigkeit, wie wenige, Tiere und Menschen nachschuf. Selbst der gr鲞te Dichter des europ鋓schen Proletariats, den Lunatscharsky selbst, der russische Beauftragte des Volkes, neben Gorki stellte, selbst der Bornholmer Nex�, der mit einer strahlenden Paradiesischkeit die Welt neu erlebte und sie f黵 seine unterdr點kte Klasse zu erobern in einem grandiosen Werke auszog, wendet pl鰐zlich bla� in das Nordlicht sein g鰐terhaft entschleierndes Haupt und neigt den Kopf. Und selbst der, welcher den Trotz am steilsten und k黨nsten aufgebogen hatte, der wolfgebi遠afte Jensen, der den germanischen Mythos noch einmal in seinem Werke wundervoll schuf und, ein k黨ner Germane wie kaum je einer, kolumbushaft neue Erde und neues Land in ununterbrochenem Zug der wilden geistigen Ausschweifungen entdeckte, auch Jensen hat jene Minuten, wo ihm, dem St鋜ksten und Beschwingtesten, seine erdhaften Figuren entgleiten und sich hin黚erbegeben in die andere Welt der Beschattung, der Gr黚elei und der tiefen Widerspr點he. Die Schweden haben keine Mischungen von gleicher Reizung, dies Land geht von mit Wasserduft versponnenen Weiden Sk錸es und violetten W鋖dern Sm錶ands bis in den lappischen Schnee und die n鰎dliche Zone. Auch ihre Frauen aber, auch ihre Lebenssitten sind von auffallend germanischer Eleganz. Aber ihrem Lebenszeichen fehlt die quecksilberne Beweglichkeit, fehlt das s黡liche der D鋘en, deren Himmel nie aufgeh鰎t hat mit Versailles und dem Lido zu kokettieren. Die Schweden haben die Endlosigkeit ihrer grauen Fl鋍hen seit alters her im Blut, sie sind keine Dramatiker, wie sie nach dem gr鲞ten und zerrissensten ihrer Landsleute, dem Strindberg, gedacht werden, sondern Lyriker mit schwerem und tiefsinnig melancholischem Einschlag. Sieht man die blitzende Sonne auf dem blau erzitternden M鋖ar und die unwahrscheinlich blonden und koketten hochbeinigen Damen und den Rhythmus einer k黨nen und erlebnisfrohen Gesellschaft, kann man den Kontrast am deutlichsten erkennen, wenn sich die untere Tiefe der schwedischen Seele dann in ihren Volksliedern, voll der Eint鰊igkeit der Weite 鰂fnet. Alle ihre Prosadichter haben die lyrische Note, bei Geyjerstam, den die Deutschen am meisten lasen, ist es fast so d黱n wie bei Jakobsen oder Bang, aber es ist noch viel mehr von den Schatten des Schicksals umw鰈kt, wie seine Menschen aneinander vorbeileben. Bei der Lagerl鰂 geht es ins Legend鋜e, und die Menschen rutschen ihr in einen religi鰏en Nebel oder verschwinden in dem Mythos, der aus der tausendj鋒rigen Scholle, die sie bebauen, aufsteigt und sie wie in ein erzenes Zeitalter entf黨rt. Auch Verner van Heidenstam kann die Linie, die seine schwerbl黷ige Prosa irgendwo anbindet an Belmann, den gro遝n S鋘ger des Volkes, mit den geh鋟ftesten Kapiteln seiner Epen nicht verdecken. Selbst in den schwedischen Kriminalromanen, die neben den englischen und norwegischen die besten und einzigen sind, die es gibt, ist in den tollsten Situationen pl鰐zlich der Moment der Gebanntheit, die vipernhafte Erschlaffung des Menschen, und zwischen Einbruch und Ausbruch, zwischen Blendlaterne und Revolverschu� entschleiert sich das Ph鋘omen des nordischen Menschen in einer scheinbaren Verr點ktheit, einer Handlung voll Widerspruch und Abgesondertheit, in einem Marsch in eine Kurve hinein, die ihn hinausf黨rt aus allen Kombinationen der Klugheit. Selbst Per Halstr鰉, den die Schweden f黵 ihren vornehmsten und distinguiertesten Dichter halten, und der wie fast alle Schweden den gro遝n Strindberg f黵 ein Scheusal h鋖t, der wie fast alle Schweden sprachlos vor den letzten, schon ganz ins 躡ersinnliche gehenden Dramen Strindbergs steht, derselbe Per Halstr鰉, der an dem viel gr鲞eren Norweger Knut Hamsun das Hin und Her und Sichvertauschen seiner Menschen f黵 Variet閡lk, f黵 Mogelei und Publikumskniffe erkl鋜t, derselbe Halstr鰉 kann sich dem Zwang nicht entziehen, den er bei anderen mit Witzen bek鋗pft. Auch seine vornehm und klassisch und etwas d黱n gezeichneten Menschen entwischen ihm und bekommen gespenstischen Umri� manchmal. Der Sp鰐ter wird, kaum er das tadelnde Wort gesagt, schon Delinquent. Die meisten nordischen K黱stler haben in der N鋒e des Irrsinns laviert, viele sind in Alkohol und Wahnsinn untergegangen, manchmal hat sie jener andere Mensch in ihren Figuren, jene andere gegen das Schrankenlose und Mysthische weit ge鰂fnete Seite ihrer Natur ins Unbegrenzte und Unkontrollierte hin黚ergezogen. Der irrsinnige Maler Josephson vermochte in einen im Grund erb鋜mlichen Naturalismus sogar die Gr鲞e einer europ鋓schen Vision hineinzulegen. Dasselbe steht auf Ibsens lehrerhaft erhobenen Zeigefingern, wo in fast komisch d黶ter gewollten Szenen das Gespenst manchmal wirklich erscheint und sei es auch nur in dem Grauen, das Ibsen selbst davor empfindet, dasselbe, wie bei diesem D鋘en, bei Bj鰎nson, bei dem Isl鋘der Sigurjurdson. Der Norweger Johannes Bojer, der wie alle Norweger etwas von einem Holzf鋖ler an sich hat, hat sogar in der Figur eines Gefangenen die Doppelseele selbst gestaltet. Der Gr鰊l鋘der Rasmussen erschreckt das Geheimnis auf dem panischsten Zug der K黨nheit durch das Treibeis nach dem Pole, aber keinen hat es so bis an den Rand der tragischsten Ausschweifungen gehetzt wie den Norweger Hans J鋑er, der die furchtbarste Konfession des Erotischen in diesem Jahrhundert geschrieben hat. Den k黨nsten Griff, die Seele seiner Region zu fassen und zu gestalten, hat der gr鲞te europ鋓sche Maler Munch getan. Der gr鲞te Teil der deutschen Malerei ist ohne den Munch nicht zu denken, genau wie Strindbergs Existenz fast die gesamte neue deutsche Dramatik 黚erfl黶sig macht. Munch hat dem schwebenden Gespenst aufgelauert und hat es mit einer Gr鲞e und Kraft zur Wirklichkeit gezwungen, wie selten ein Maler das Unwahrscheinliche und Unsichtbare klar zu Farbe und Eindruck gebildet hat. Ob er Kapit鋘e oder Sichk黶sende malt, er zwingt den ganzen Schauer einer geheimnisvollen Sonderexistenz in eine vor Brutalit鋞 bald platzende Erscheinung, und im Donner und dem Zucken der unwahrscheinlichsten Farben f鋘gt er wie in einer Teufelsbeschw鰎ung die nordische Seele, die auch bei diesen elementarsten Geburten fast schon wieder entschwebt. Die ganz gro遝 Musik aber, noch gr鲞er wie die Beute dieses malenden J鋑ers, die wahre Vers鰄nung und die gro遝n Mosaikfresken, das allein ist Knut Hamsuns Werk. Er ist der Bruder Munchs, aber er hat dazu noch die Se und die S黡lichkeit neben dem rauhen Schrei. Er hat neben der Urkraft das Weiche, und seine M鋘nlichkeit ist so unbezweifelbar, da� er nicht ohne einige weibliche Erg鋘zungen auskommt, um den Menschheitshorizont rund zu gestalten. Er ist der wahrhafte gro遝 Erf黮ler des Nordens. Alles was hier gesagt wurde von diesem und jenem ist eigentlich 黚er Hamsun gesagt, denn das all lebt in seinem Werk. Kein kleiner farbiger D鋘e, kein schwedischer schwerer Bauerndichter hat zu anderem Zweck gelebt, als da� Hamsun aller Erbschaft antrete. Sie sind ihm alle nichts wie die Klaviatur, aus der er die volle und ganze Melodie erst anhebt. In Hamsun ist die S黡see und der soziale Aufschrei, ist die Verdorbenheit der Gesellschaft und die Wikingerei des Blutes, ist der g黷ige Ha� und die unersch鰌fliche Liebe. Dieser Dichter hat sich nie spezialisiert. Auch ist sein Parlando nie von dieser oder jener Einstellung der Zeit sonderlich beeinflu遲 geblieben. Er hatte wahrlich keine Mission, ein Formproblem zu knacken oder die Ehen zu untersuchen oder die Bals-Par閟 des Schauerlichen herunterzutanzen oder das Unsichtbare am Kopf zu fassen und ins Panoptikum zu zerren. Das alles ist unter ihm und ihm nur Material. Niemand wird verkleinert, wenn man Hamsun erh鰄t. Strindberg ist grandioser und Nex� zeitlich wichtiger und Aage von Kohl monumentaler und Jensen wohl toller. Aber die gro遝n Gleichungen werden nicht aus der Sch鋜fe der Profile und der besonderen Akzentuierung der Einstellungen gemessen, sondern sie werden gestellt zwischen die Beziehungen von Gr鲞e und F黮le. Denn nur der ist ein Repr鋝entant und von f黵stlicher Stellung im geistigen Territorium, wer sein Haupt so tragen kann, da� schlie遧ich alles sich in ihm zu einer besonderen Einheit verk鰎pert, was irgendwie sein Volk, seine Rasse oder den Geist bemerkenswert macht. Denn nicht der bei Gott ist der typische Deutsche, der je nach dem Geschmack der einzelnen Schichten am blondesten oder am dicksten, am rohsten oder am gutm黷igsten ist, sondern derjenige, der die Laster und die Tugenden dieses widerspruchsvollen Volkes unter einer guten Kontrolle mit 躡erlegenheit und Gr鲞e harmonisch tr鋑t. Bei Hamsun hat der nordische Mensch erst seine volle Ausl鰏ung gefunden und ist im letzten Sinne repr鋝entativ geworden. Er hat das Lasterhafte und das D黱n-Erschreckte des D鋘en Bang und die Urwaldgr鲞e des J黵gen J黵gensen, er hat den germanischen Urmythus des Jensen von den Tropen bis 黚er die Gletscherzeit im Blut, er ist weise wie Gjellerup und brutal wie Munch, er ha遲 wie es nur der Strindberg konnte, s鋟selt wie Jakobsen und hat die Verwobenheit der Lagerl鰂. Er hat in seinem Buche 籋unger� die proletarische, in der 籗tadt Segelfo攉 die soziale Frage behandelt, im 籔an� europ鋓sche Gef黨le weit hinaus getragen, in seinem 籏aukasienbuch� die Farbensehnsucht und die Tropenexotik der Europafl點htigen hei� erlebt, in 籚iktoria� das Seste an Leid und Liebe geschrieben und den sch鰊sten Liebesbrief, den die Literatur kennt und hat in 籑ysterien� die nordische Seele bis zur Unkenntlichkeit sich austoben lassen zwischen Maske und wahrem Gesicht. Er hat einen ph鋘omenalen Impressionismus von europ鋓scher Weite geschaffen und ist im Gehalt ein Expressionist, wie kaum ein anderer typisch f黵 diese Zeit. Er hat aus Vorwurf, aus Idee, aus Stil und aus Zeitmotiv sich den Teufel gemacht und aus all dem nur aktuellen Sensationshaschern wichtigen Beiwerk endg黮tig den einfachen armen und leidenden Menschen herausgesch鋖t. Er ist in keiner Maske und keiner Maskerade h鋘gen geblieben, hat sich nicht um die Zeitgenossen geschert, hat die Welt durchtippelt, in norwegische St鋎te sich verkrochen und auf eine Insel begeben und hat das bedeutendste Werk des Nordens geschaffen, an dem jede Einschaltung, jede Einbiegung in eine Bewegung und einen Stil eine dumme Verwegenheit bedeutete, es sei denn, man sage, die skandinavische Literatur, die die germanische vorstellt, habe hier einen ihrer sch鰊sten Hochschw黱ge und einen bedeutsamen Zenith erreicht. An Geschlossenheit des Weltbilds, an wahrhaft ruhiger Rundung des Rasseerlebens, an dichterischer und zeitgen鰏sischer Bedeutung k鰊nen wir Deutsche ihm nichts entgegenstellen, wenn die Franzosen mit France, die Italiener mit d'Annunzio, und die heutigen Russen mit Gorki kommen. Der einzige w鋜e der tote und lange vor seinem Ende blinde Dichter Graf Keyserling gewesen, der Balte, der die ganze Sch鰊heit seiner zugrunde gehenden aristokratischen Rasse wahrlich in einem Weltbild, dem einzigen deutschen seit f黱fzig Jahren, noch einmal zu formen wu遲e. Hamsun, der in der Jugend Amerika durchstrolchte, nie recht wu遲e, wann er geboren ward, der Lyrik liebt weil er sie am wenigsten kann, Dramatisches ha遲, weil es ihm am wenigsten Erfolg brachte, Hamsun, von dem die Franzosen neunzehnhundertzwanzig noch keine rechte 躡ersetzung haben, und den in Deutschland, als sein 籔an� erschien, einige wenige zu lieben begannen, w鋒rend einige viele ihn im 膗遝ren nachmachten, indem sie ihn verzuckerten und auf das Rosaschleifchenhirnniveau der deutschen Backfische senkten und ihm dabei das Geheimnis der nordischen Doppelseele aus dem Leibe quetschten, Hamsun ist ein alter Mann und hat sein Werk fast hinter sich. Man beginnt jetzt in Deutschland ihn etwas mehr zu sehen und wohl auch etwas mehr zu lieben. Bei keinem Dichter der Weltgeschichte ist in Roman und Novelle und Drama die Gr鲞e eines Menschenschlages im Herben und Sichverschleiern und Sichderewigkeitzuwenden so seltsam Merkmal wie bei ihm geworden, dergestalt, da� tats鋍hlich immer wichtiger wie das, was in den Zeilen steht, das ist, was zwischen ihnen steht. Von Bedeutung ist mehr das, was nicht gesagt wird, wie das, was ge鋟遝rt wird. Und das, was an Tat geschieht, ist in Wirklichkeit nur eine Blendung und ein Ablenken, aber von Wichtigkeit ist das, was unterdr點kt wird. Diese Menschen sind keine Schw鋍hlinge, keine 膕theten, keine Hanswurste, keine Hirnathleten, sie sind nicht Literatur oder Psychopathen oder nach dem abscheulichen Rezept irgendeines medizinischen Seelenzerknabberers gebaut. Sie sind der wundervolle Niederschlag des vom Gespenst des Nordens und seiner Widerspr點he angeregten und filtrierten Menschen, der mutig ist und k黨n und gro� und alle Eigenschaften hat der Eroberer und der Starken und der Wikinger von ehedem, dessen Seele aber labyrinthisch und gew鰄nlich von einem guten und wohlwollenden D鋗on getrieben wird, sich keusch und seltsam zu verh黮len und irgendwie scheinbar zu wissen: dies alles Leben unserer irdischen Bestimmung sei weiter doch nichts als ein g鰐tlicher Witz und ein tragischer Humbug des Sch鰌fers und irgendwo ganz anders sei der wahre Schatz und die sch鰊ere Sicherheit. Deshalb, weil diese Menschen so in die Spiralen hineinwandern, ist das Leid, das sie immer umw鰈kt, aus einer Spannung zwischen Leben und Geist geboren und von einer sen und satten Getr鋘ktheit, fast 黚erirdisch schon manchmal in seinem Nichtgesagt- aber Empfundenwerden. Man geht nie direkt aufeinander los, sondern man weicht aus, man macht die unm鰃lichsten Umwege umeinander, ja die Liebenden und Hassenden umschweben sich schon gewisserma遝n nach bestimmten Gesetzen, unruhvoll und voll Jubel und Best黵zungen wie das Schweifen der Sternhimmel, die auch sich gew鰄nt haben die Kreise einer gewissen Entsagung umeinander vorzunehmen. Es ist bisher nicht gesehen worden, da� die Wasserscheide zwischen asiatischem und westeurop鋓schem Geist durch Christiania geht. Es ist wichtig zu wissen, da� weder Berlin noch Wien hierf黵 irgendwie momentan in Frage kommt. Man hat auch nie verstanden, da� hier im Norden eine bedeutende Literatur zu Hause ist, die, wenn sie auch nicht tiefspaltig ist und gro� im Sinne der franz鰏ischen und deutschen, doch ein Zeitma� an Repr鋝entation jedenfalls heute aus黚te, vor dem wir uns heftig zu verbeugen haben. Der germanische Mensch hat sich jedenfalls in den skandinavischen begeben, und die nordische Seele hat sich in Hamsun erf黮lt und damit den dritten europ鋓schen gro遝n Typus geschaffen. Flaubert Balzac gab dem franz鰏ischen Roman die F黮le, France die Weisheit, Flaubert gab ihm die Gr鲞e. Balzac lieh ihm die Weite und das Demokratische, France das aus Vollendung heraus M黡e und L鋍helnde, Flaubert die Aristokratie. Die Faust des gro遝n Balzac gestaltete die Gesellschaft seiner Epoche beim Beginn des Jahrhunderts in ein phantastisches Furioso, am Ende dieses Jahrhunderts entl溥t France diese erledigte b黵gerliche Gesellschaft mit der Geb鋜de der milden Skepsis. In der Mitte des Jahrhunderts schuf Flaubert 黚er sie hinaus gro遝 Kunst. Er mu遲e zwar durch sein Jahrhundert hindurch, um zur Kunst zu kommen, die er gro� und 黚er alles liebte, aber er verachtete es, obwohl er nicht ohne Sympathie f黵 die Menschen war. Er wollte nicht die Geschichte seiner Zeit schreiben, sondern es kam ihm darauf an, da� sein Kunstwerk die Dichte aus Erz und seine Menschen die Unerbittlichkeit im Umri� bekamen, die sie 黚er das Jahrhundert hinaus erhielten, auch wenn sie ihre Zeit lebten. Jeder Weg f黨rte ihn nur zur Kunst. So bekam sein Werk die H鰄e, da� in seinem Jahrhundert sein Roman wieder den gro遝n Typ des Prosa-Kunstwerks darstellt. Daf黵 gab er sein Leben hin, und nie ist ein furchtbarerer Kampf gef黨rt worden wie zwischen seinem Leben und dem Moloch Kunst. Doch gab er dabei sein Leben nicht auf, wie die gesch鋐tigen Erz鋒ler seines Daseins darstellen, sondern er f黨rte es mit derselben Souver鋘it鋞, die sein Werk ausmacht. Er war kein kleiner Schreiber, kein Hysteriker und Nervendilettant, der die Taten der Welt, die er f黵chtet, in die schwachen R鋟sche der Literatur einbiegt. Er war kein Dandy: ein riesenhafter Gallier, mit dem Schnurrbart eines Generals, ein H黱e, ein gro遝r Esser, ein reicher Gentleman, der sein Leben gelebt hat, gut speiste, sein Teil an Frauen hatte, ein k鰊iglicher B黵ger. Er hat von seinem Landhaus Croisset aus die Welt bereist, Italien, Griechenland gesehen, voll saftiger Lebenliebe. Er hat in Beduinendars geschlafen, hat vor der K黶te Tunis aus Ungeduld, Karthago zu sehen, kein Auge geschlossen, ist in der Karawane auf dem Maultier nach Biserta geritten, vierzehn Stunden im Sattel, auf Dromedaren durch die W黶te. Eine gro遝 Schlange am Bein seines Pferdes hat er mit Peitschenhieben get鰐et. Er konnte auch dies. Sp鋞er haben die n鋍htlichen Fischer sein helles Haus, wo er die N鋍hte schrieb, als Leuchtturm genommen, er hat dar黚er gelacht. Auf seinem Tisch standen die besten Parf黰s, seine Pflege war au遝rgew鰄nlich wie seine Distanz. Dieser Mann da, der in Croisset bei Rouen Unsterbliches schrieb, eine Wohnung in Paris hatte und gute Menus zusammenstellte, war kein asketischer Schreiber, er war auch im Leben ein F黵st von fast germanischem Einschlag in der Derbe und Ungeniertheit seiner Haltung. Er schrieb seine Briefe nicht wie ein kleiner Autor, sondern wie ein Kommandeur. Er hatte auch in seinem Leben die Gr鲞e des Anspruchs und die Helligkeit der Geste, mit der er seinen Kampf um die Kunst k鋗pfte, der lang und furchtbar war. Darum 黚erhaupt konnte er seinen Kampf um die letzten Territorien der Kunst so unerbittlich f黨ren, weil er ein Feldherr war und kein Franktireur, und weil er dadurch so vieles zuzusetzen hatte. Denn die Jahrzehnte, die dieser Mann als 籈insiedler von Croisset� in seinem Landhaus sa�, Tag und Nacht darum rang, dem festl鋘dischen Roman Europas das Gesicht der Sch鰊heit und den Wuchs des Siegers und die Seele voll Musik aber die Muskulatur eines schlanken Athleten zu geben, diese Jahrzehnte, w鋒rend deren er fast ohne aufzustehn von dem Tisch, an dem er schrieb, aus dem Nichts heraus ein unerh鰎tes Werk ri�, tausendmal das Geschaffene verdammte und tausendmal neu schuf, diese Jahrzehnte sind der heroischste Kampf, den ein gro遝s Leben und ein gro遝s Werk f黨rten. Darum ist es so wichtig, zu sehen, da� nicht ein Schw鋜mer, nicht ein Asket, ein Nervenkranker aus seinem Leiden die Maskerade eines Martyriums schnitt, sondern da� ein Vollblut, ein J鋑er, ein fester Globetrotter, ein Ringk鋗pfer des Geistes seine S鋐te 黚erwand und eines Tages sein Leben von den Dingen der Welt zur點kzog und es auf die Kunst so fanatisch einstellte, wie es nur ein voller Mensch kann. Denn der Weg von Kraft und Blut zum Verzicht auf die geliebte Welt ist ein verzweifelt viel weiterer und zackigerer als die Himmelfahrt, die impotente J黱glinge und lendend黵re Klepper der K黱ste vornehmen, in dem sie aus ihren Gebrechen einen Vorzug machen. Dieser aber hob mit einem schmerzhaften L鋍heln sein Dasein weg von den Gen黶sen und Erlebnissen und hetzte es der Kunst nach, da� die Fugen knirschten vor der Z鋒igkeit des Willens. Darum ward aber die seelische Elastizit鋞 seiner Kunst so gro�, weil sein Leben so gewaltig darin sich spiegelte. Der wundervollste Fall des Widerspiels von Kunst und Leben hat hier eingesetzt und sich vollendet. Flaubert lie� alles f黵 die Arbeit, und nach den Reisen und Frauen gab es nichts f黵 ihn als die Besch鋐tigung mit der Kunst. Da trat das Menschliche so tief und klar in seine Kunst hinein, da� der Gewalt des Geistes sich die St鋜ke des Menschen hinzuf黦te. Dadurch ist ein Gegengewicht geschaffen gegen seine tollsten geistigen Ausschweifungen. Denn man glaubt sie. Hinter jeder, selbst der k黨nsten literarischen Geste steht der Mensch Flaubert und tut sie mit. Das gibt dem Werk das gro遝 Format. Sein menschliches Beispiel mischt in das Buch die Macht der 躡erzeugung. Was er aus 躡erf黮le zur點khielt im Leben, flo� ebenso voll in sein Werk. Manchem seiner Nachahmer, wie dem Italer D'Annunzio und dem deutschen Heinrich Mann glaubt man eine gewisse gro遝 Haltung des K黱stlerischen sowie des Geistes, aber es bleibt Literatur einen Schritt schon 黚er die papierne Grenze, und man glaubt an Beispielen und Menschlichem ihnen kein Wort. Sie haben aus Schw鋍he sich in das zuckende Abenteuer der Kunst geschleudert und sitzen vibrierend wie Rennfahrer an die Kunst geschmiedet, und wenn sie loslassen, fallen sie zur點k in die D黱ne ihres menschlichen Formats. Das Schwache und Hohle, das die krampfhafte und schmerzliche Verhaltenheit ihrer Leidenschaften hat, kommt daher, da� keine gewaltigen Menschen hinter dem Dichter stehen. Aber bei diesem Flaubert, der nicht in die Kunst fl點htete, sondern der sie w鋒lte, indem er ein volles saftiges Leben daf黵 hinwarf und sein rotes Blut hineinpumpte, ist die Weite des dichterischen Geistes tief erhellt von der des Menschen. Wundervoller hat sich nie das Heldenhafte mit dem Martyrischen gekreuzt, und nie hat Leben und Arbeit von verschiedenen Seiten, indem es sich gleichwohl wie toll bek鋗pfte, eine solche H鰄e der Harmonie erreicht. Flaubert liebte die Literatur wie ein Narr, aber er ist kein Literat. In Rouen, von reichen Eltern geboren achtzehnhunderteinundzwanzig, schrieb er siebzehnj鋒rig: 籌ch schreibe Werke, die nicht den Preis Monthyon erhalten werden, und die zu lesen die Mutter ihrer Tochter nicht erlauben wird.� Er hat sein Zeitalter gekannt und hat es an sich erfahren. Die Masse ha遲 nichts so sehr, als den Anblick eines 躡erragenden, darum sind ihre G鰐ter gew鰄nlich Subalterne, aber die echten Helden sp黵en jeweils, was es hei遲, ein stolzes Herz auf dieser Erde zu tragen. Flaubert hat jede, auch die tiefste Verst鋘dnislosigkeit erfahren. Es braucht nicht verschwiegen zu werden, da� er mit einer grenzenlosen Verachtung zur點kschlug. Das Publikum aber sp黵t nichts rascher und sicherer als Verachtung, wenn sie schweigend bezeugt wird. Wegen seiner 籅ovary� hat es ihm einen der gr鲞ten Prozesse gemacht, den die Literatur kennt, indem man ihn der Verletzung der Sitten anklagte und ihm dadurch wider seinen Willen, nachdem er denkw黵dig vor widerwilligen Richtern gesiegt, einen sensationellen Erfolg verschafft. Der Literaturpapst St. Beuve schrieb an seiner 籗alambo� ebenso ahnungslos vorbei wie irgendein kritischer Kretin. Keiner sah, da� der gr鲞te geballte Roman zeitloser Leidenschaft in der erlesenen Zucht einer vollkommen geb鋘digten Sprache vorlag und stritt um Aqu鋎ukte und 黚er die Orthographie Hannibals und die Zeremonien seiner Empf鋘ge. Eben hatten in der Tat die Realisten ihre Sturmbanner aufgezogen und Zola sein Programm an ihre Spitze gestellt. Man beging den erb鋜mlichen Irrtum, Flaubert einzuordnen und mit modischen Ma遝n zu messen. Was an H鰄e und fliegender Kraft aber an Flaubert dar黚er hinaus ins Dichterische stieg, knipsten die kleinen H黷er des Kritischen ab, und hielten das wie stets f黵 Verzerrung, was in Wirklichkeit die Erf黮lung war. Er sah, da� wie verzaubert alles, wenn es seiner Hand entglitt, im Wort der Masse ins Gegenteil sich kehrte. Flog er, beschimpfte die Meute ihn, er sei im Kot. Formte er die vollendete H鰄e der franz鰏ischen Prosa (wie keiner vor ihm) und f黨rte die Sprache seines Landes in Kurven von erfrorener, verz點kter Sch鰊heit, schrieb ein Biedermann, er k黰mere sich nicht um den Stil. Gab er das Beispiel vornehmster dichterischer Zur點khaltung, schrieb Barbery D'Aurevilly, er beschmutze den Bach, in dem er bade. Alle Dummheiten, alle Einf鋖tigkeiten, die eine Heimat gegen ihren bedeutenden Sohn unternehmen kann, hat er erfahren. Heute, wo seine B點her europ鋓schen Ruhm und klassische Geltung haben, erscheint es reichlich absurd, da� die B黵ger und Provinzblattschreiber Rouens den Aristokraten als Sozialisten verleumdeten, den Einsiedler als sittenlos schm鋒ten und am liebsten auf diesen B黵ger verzichtet h鋞ten, dem sie, als er, der gr鲞te Schriftsteller seiner Zeit schon damals, um die Grabst鋞te f黵 ein Denkmal seines Freundes, des Rouenser Dichters Boulhiet bat, das glatt verweigerten, und den politisch hetzten, der so ganz unpolitisch war. Aber der T鋑liche Anzeiger von Rouen hat dies, wie alle 籘鋑lichen Anzeiger� der Welt, besser gewu遲. Flaubert aber, der wu遲e, wer er war, wohin er wollte und, wie alle Genialen, von seiner Mission 黚erzeugt war, wandte sich voll Widerwillen von diesen Vertretern seiner Epoche. Er verachtete sie zu sehr, als da� er ihnen gez黵nt h鋞te. Aber er sah in diesen armen und bemitleidenswerten Affen nichts anderes wie den Ausdruck der gro遝n Masse, die stets dumpf gegen das Klare und mit w黷endem Zorn gegen das Gro遝 reagiert. Er verachtete die Masse so ungeheuer, so instinktiv mit dem besten Empfinden des Zuchttieres, da� er nie auch nur die Spur eines Kompromisses schlo�. Er dachte an kein Publikum, wenn er schrieb, er dachte an keine Erfolge. Er war nur eingestellt, die Kunst so hoch zu treiben, wie es, bis an das Schwindelgef黨l, ging. In hunderten Briefen hat er seine souver鋘e Ablehnung des Publikums ausgesprochen. Nach der Fertigstellung der 籅ovary� mu遲e er aus 黚ergro遝m D間out vor der b黵gerlichen Masse in jahrelange gl鋘zendere Luft des heroischen antiken Stoffes sich fl點hten. Er hat die Perfidie des Publikums, und wie 籆andide�, die schreibende Canaille, kennen gelernt. Keine Zeile der F鰎derung hat er der Presse zu danken, kein Kritiker, der ihn nicht, wie jeden Autor von Begabung, in jeder Epoche zerri�. Seine Zeit stand ihm gegen黚er als Meute. Er 黚ersah sie zwar, aber er h鋞te sie darum nicht geha遲 allein. Er hat nur ihre Kleine verachtet. Mit diesem unsch鰌ferischen, nur politisierten Zeitalter war keine Gr鲞e zu erschwingen. Er war gegen die Zeit, wie sie gegen ihn, aber er war bedeutend genug, sich leicht damit zu tr鰏ten, da� sie auch gegen Moli鑢e, Cervantes, Shakespeare und Rabelais war, und da� er nur einer in der ausgew鋒lten Kette derer war, die, weil sie G鰐tliches schufen, einen Teil der Einsamkeit und des Leides der Welt besonders tragen mu遲en. Er verachtete das Getriebe mit einer Bewegung, damit erledigte er es. Denn er war auch als Mensch von einer solchen Breite der 躡ersicht, da� er pers鰊liches Schicksal und private Unbill nie in dem Sinne empfunden h鋞te, da� sie seine Richtung und sein Werk beeinflu遲 h鋞ten. Allein er sah in dieser Dummheit der Masse die Tragik unserer Existenz, denn er wu遲e, da� die barbarischen Fehlerquellen des Lebens von den Kriegen bis zur Armut nur auf die Majorit鋞 der Unaufgekl鋜ten zur點kgehen. Und er war ein zu gro遝r K黱stler, als da� er nicht aus der klaren Wollust der Form heraus die Todfeindschaft der Zuchtlosen gesp黵t h鋞te. Er ha遲e die Menge aristokratisch im besten Sinne, obwohl er kein Reaktion鋜 war, und obwohl er die Menschen mit der Anteilnahme eines sympathischen Athleten liebte. Aber ihr Auftreten als Gesamtheit, die stets den Gesetzen des Sch鰊heitswidrigen und Geistfeindlichen sich beugte, ertrug er nicht ohne Fassungslosigkeit und Zorn. Er sieht, da� von den Regierungen bis zu den kleinsten Kritikern, von den Theaterleitern bis zu den Redakteuren, da� alles, was das geringste St點k Macht in der Hand hat, der Kunst gegen黚er versagt, da Macht subaltern ist, und, seit die Erde sich drehte, Sch鰊heit und Gutes nie mit ihr verbunden war. Er sieht La Biche und Du Camp in der Akademie, und es ist ihm zum Speien. Er sieht ein Publikum, das mit Speeren und Pistolen der Kunst gegen黚ertritt. Er sieht ein Land voll Selbstsch黶sen, Tellereisen und Fallt黵en f黵 das Sch鰊e. Er sieht die F黨rer der Literatur demoralisiert, auf der Gier nach Erfolg zitternd vor Mi遝rfolg und Versagen, und schon so an die b黵gerliche B鰎se des niederen Erfolges geschmiedet, da� sie zappeln, statt f黵stlich nur der Kunst ins Gesicht zu sehen. Er wei� als ein Gelehrter auch, da� sogar Boileau die Dummheiten, die er in der Akademie h鰎en mu遲e, sein Ende beschleunigt haben, und er zieht die Folgerung daraus: dies Jahrhundert ist keines Auftriebes f鋒ig, keiner gro遝n zeugenden Kraft untertan. An politische Um鋘derung der Welt glaubte er nicht. Die Commune ist ihm die letzte Zuckung des Mittelalters. Er verachtet diese Zeit, aber er entzieht sich ihr nicht. Er nimmt sie zwar in seinen Romanen als Modell, aber er nimmt sie nur, um sie zu malen, nicht um Partei zu ergreifen. Er benutzt sie, um auch durch ihre Armseligkeit an wahrer Erhabenheit zur Dichtung vorzudringen. Sie ekelt ihn, aber er treibt sie dennoch bis in die kalte Luft der gr鲞ten Dichtung, und mu� sehen, da� die Zeitgenossen ihn f黵 einen St黰per halten. Ihre naturalistischen Programme sind wie die Wagen bei den Pferderennen aufgestellt. Er war nicht so tief unten, um darauf zu passen, so bel鋍helte man ihn. Da� man Flaubert f黵 einen Realisten hielt, weil seine Epoche damit bis zum Erw黵gen voll war, ist einer der l鋍herlichen Irrt黰er, die die Blindheit der Zeitgenossen hervorbringt. Die Zeit ist immer voll von Mi遶erst鋘dnissen, genau wie jede Handlung von Bedeutung. Als Flaubert verhinderte, da� die Prosa immer heftiger in die Gossen der Gebrauchssprache lenkte und ein Idiom von ungeheurer Dichte und marmorkalter Zucht dem entgegenwarf, hielten die Menschen ihn f黵 einen Verfasser von Cochonnerien und zogen ihn vor die Assisen. Er aber wei� die Tragik, die ihn von seiner armseligen Zeit trennt, sieht, da� Ehren entehren, Titel herabsetzen, 膍ter die Menschenw黵de nehmen, und zuckte die Achseln, aber nicht ohne mit Hoheit den Kampf gegen die Dummheit aufzunehmen. Auch war er ohne Eitelkeit, da� Lob ihn keineswegs 黚erzeugte. Von diesen Menschen freute es nicht. Es schmeichelt vielleicht, aber innerlich erfriert er vor Verachtung. Doch, wenn er seine Zeit ablehnte, die seinem Wesen zu eng und seinem Anspruch zu klein war, so hatte das Altertum dagegen als Ganzes f黵 ihn ungeheure legend鋜e Kraft. Doch fl點htete er nicht hinein wie sein Kollege Huysmans, der aus k黱stlicher 膕tethik und, unf鋒ig, seine Zeit zu zwingen, in den Rausch der mittelalterlichen Ekstasen, wie in eine Bekehrung mit klappernden Nerven sprang. Vielmehr wandte er sich von dem Jahrhundert, das um die Suppensch黶seln der Arbeiter und die unbefleckte Empf鋘gnis katholisch und sozial und verdummend schaukelt, er wandte sich von den politischen Raketen, die er ha遲e, zeitweise in die antike Welt, um aus den phantastischen Stoffen und der Raserei zeitloser Leidenschaften ein Bild des Gewaltigen zu gestalten. Und wenn es ihn schon reizte, seine miserable Gegenwart zu dichterischem Gebilde und Haltung und Ausma� zu entflammen, so reizte es ihn wie einen Rasenden, die Gr鲞e schon entgegenzunehmen aus den mythischen Zeiten und den vision鋜en Stoffen, und dies Ma� erlesener Stoffe zu einem kolossalen tropischen Gebilde innerer Ma遝 und zuchtvoller Gesetzm溥igkeit zu gestalten. Keine dieser Aktionen war eine Flucht. Der Wechsel war nur ein Ausgleich der Spannungen, denn der Wille zum Formen war in ihm beispiellos. Jene Legende des Sokrates, der am Vorabend seines Todes eine Melodie von einem Spielmann zu lernen begehrt, um selbst sie in uners鋞tlichem Daseinsdrang vor dem Tode ja noch zu haben, darf ihm, da das Leben kurz und die Kunst lang ist, als das H鯿hste der Moral erschienen sein. Flaubert ist ein Weltmann und er erholt sich, was heute au遝r Mode, wie die gebildeten Leute seiner Zeit, von der Unzul鋘glichkeit der Menschen bei der Kunst. Der Gentleman zitiert stundenlang Verse, an ihrem Wohllaut wie an Musik und sch鰊en Speisen sich erfreuend. Dieser genaue Kenner aller Schliche und Kniffe des Daseins schmatzt mit Vergil herum. Er hat eine herbe m鋘nliche Liebe f黵 alles Erlauchte und Dichterische. Er singt die Verse Hugos, er hat etwas von einem General, der sein Handwerk vollendet beherrscht, aber den Ruhm, lateinisch zu reden, dar黚er stellt. Er genie遲 Kunst mit einer Sinnlichkeit ohne Gleichen, er saugt sie durch alle Poren ein, sein Geh鰎 und sein Verstand sind f黵 jede Schwingung der Werke und des Gedankens bis zur Exaltation empf鋘glich. Ein Gourmet der Kunst, aber ein n點hterner distanzierter Genie遝r zugleich, sto遝n hier zusammen, aber er hat etwas auch von einem Boxer, der Sentiments zu verdecken hat. Das Weltm鋘nische und die Kunst erg鋘zen sich bei ihm in 黚erlegenem Ma遝, denn er sucht das Herrische zu d鋗pfen, aber das Banale zu vergr鲞ern. Er hat eine wundervolle Scham gegen黚er dem Eigenleben der Stoffe. Den, der Gr鲞e tr鋑t, l溥t er sie nicht laut sagen, aber den Armseligen treibt er aus Mitleid bis in die vollendete Figur, die ihm m鰃lich scheint. Eine noble Vornehmheit erf黮lt so alle seine Charaktere. Da er gut und schlecht nur schildert, wie alle gro遝 Kunst es tut, als Bestandteile der Kunst, die sich entwickeln nach ihrer Gesetzlichkeit, die also nur zu gestalten sind, ohne da� man f黵 sie Partei nimmt, kommt eine Einfachheit in ihn, die ohne gleichen wird. Die steilsten Leidenschaften ziehen sich irgendwie zur點k, das allt鋑liche Menschliche herrscht wieder. Aber die banalsten Dinge bekommen eiserne Haltung, da� sie so simpel, aber so monumental ausgehen wie das Leben und wie jener wundervolle Schlu� der 婚ducation sentimentale�, dem kein Gott etwas wegzunehmen, aber auch nur ein geringes hinzuzuf黦en vermochte. Aber schon hier, wo Takt und St鋜ke sich liebevoll vereinen, ist er auf dem furchtbaren Wege vom Genie遝n in die H鰈le. Der zerst鰎ende Proze� der Arbeit tritt ihm aus der Kunst mit allen Martern entgegen. Der Amateur wird Dompteur, und diese Dressuren und Jagden in die Kunst hinein zeigen das gr鲞te jahrzehntelange Martyrium der Geschichte. Die anderen Schreiber seiner Zeit hatten doch neben der Kunst noch ein Leben nebenher sich zu bewahren gewu遲, Zola, der wahrlich bestialisch schuf, hatte seine Geliebte, der Bienenflei� der Br黡er Goncourt lie� ihnen Raum zur Geselligkeit der Leute von Rang, die sie waren, Maupassant sa� im Ministerium und hatte den tollsten Harem. Dieser Flaubert aber 黚erging alles und wandte nur immer heftiger, je weiter die Jahrzehnte kamen, gebannt und unabwendbarer jedesmal, der Kunst sein Gesicht zu. Er folgte ihrem gestirnhaften Gang mit der schicksalhaften L鋒mung und Entschlossenheit der Sonnenblume, die dem Lauf des Taggestirnes mit dem offenen M鋒nenkopf folgt und von der die Antike sagt, da� sie, eine Nymphe, auf diese Weise verzaubert an den Sonnengott voll unabl鋝siger Sehnsucht gebunden sei. Flaubert bindet sich jedoch nicht an die Kunst wie ein Exaltierter und hat mit der zerrissenen Inbrunst des Van Gogh gar nichts zu tun. Er ist kein Gefressener von der Kunst, er ist ein M鋘nlicher, ein st鋒lern Entschlossener, er ist selbst ein Verspeiser, es ist etwas von der Ruhe des Detektivs in der Besessenheit, mit der er sein Leben ihr bestimmt. Diese anderen, die Kunst wie Schaum vor dem Munde f黨rten und zusammengekracht w鋜en wie entleerte Puppen, wenn man sie ihnen entzogen h鋞te, diese Ekstatiker wie Gauguin und Grabbe und B黵ger, diese Verbrennenden und Selbstzerst鰎er haben nichts Gemeinsames mit seinem k鋖teren und bewu遲en Furioso der Opferung. Denn bei Flaubert w鋜e niemand im Zweifel, was wiederum keinem der andern geglaubt w黵de, da� er, wenn man durch einen Trick Kunst aus der Welt zu entfernen verstanden h鋞te, auch ein gewaltiges Leben anderswie mit gleicher Breite wie in seinen Romanen gelebt h鋞te, und da� seine Sehnsucht sich im Urbarmachen unbekannter L鋘der, in der Anlage phantastischer St鋎te, im Bau von unvorstellbaren Br點ken und der Vollendung eiserner Organisationen fest erf黮lt h鋞te. Wenn es aber bestimmt war, da� einmal im Jahrhundert der denkw黵dige Kampf zwischen Leben und Kunst in der H鰄e eines symbolischen Vorganges ausgek鋗pft werden sollte, so ist es sicher, da� hier die Gr鲞e der Opferung der Gr鲞e der Leistung wohl entsprach. Da� aber auch der Ungeheuerlichkeit der Liebe, die aufgewandt wurde, sich die gleiche F黮le der empfangenen Qualen hinzuf黦te. Die Kunst ist eine furchtbare Geliebte, wenn sie ernst gejagt wird, aber auch niemals mag ihr ein Gegner durch seine unerbittliche K黨le, mit der er jahrzehntelang die Z鋒igkeit dieser Jagd fortsetzte, so furchtbar geworden sein. Niemals hat aber jemand Kunst als Gegner mit solcher W黵de, solcher M鋘nlichkeit geehrt, indem er sie so sehr 黚er alles stellte wie der Gallier Flaubert. Dieser Mann z鰃erte keinen Moment, alles von sich abzutun, um ihr ganz zu geh鰎en. Er ging nicht in die W黶te, vernachl鋝sigte auch nicht die Eleganz seines Anzuges, worin nur Kinder und Einf鋖tige das Wesen einer 躡erzeugung sehen, aber er bog sein ganzes Leben und alles, was daran hing, wie die Zacken einer Krone nach seinem Ideal hin. Er fa遲e die Kunst von allen Seiten, und wenn sie sprach, hatte nichts mehr Wichtigkeit, und alles war nur voll Sinn im Hinblick auf sie. Er reiste nicht mehr, um ihr besser zu dienen. Er lie� eine Geliebte fallen, als sie ihn von ihr abzog. Er war gewohnt, gut zu leben, aber er h鋞te in dem Augenblick auch dem entsagt, wo es ihn gest鰎t h鋞te, der Kunst n鋒er zu r點ken. Er opferte den Ruhm, die Ehrungen der St鋎te. Er ha遲e die Bewegungen und lie� auch den Sport, da sie an der gleichen Kraftquelle sogen wie seine Arbeit und blieb zuletzt nur festgebannt an der Platte des Tisches kleben, an der er die Kunst beschwor. Besuche kamen noch, Turgenieff, Zola, die Goncourts, Maupassant, Charpentier, aber, so sehr er sie einlud, so sehr sie ihn freuten, im Grunde z鋒lte er doch, wieviel Tage, wieviel Stunden er dadurch an die Arbeit verloren. Er war mit eigenem Entschlu� und freier k黨ner 躡erlegung in diese furchtbare Umarmung hineingegangen, die ihn zerfleischte und erdr點kte. Auch dieser Bewegung seines Lebens hat er dadurch Gr鲞e gegeben. Doch hat er in dieser tragischen Verstrickung den gro遝n europ鋓schen Roman des letzten Jahrhunderts geschaffen. Zwischen den steif gewordenen Marionetten der Romantik und den tobenden Entfesselungen der Naturalisten steht er in einsamer und gebieterischer Haltung, den Blick weit 黚er beide hinaus. Man wird nicht umhin k鰊nen, in sp鋞eren Jahrhunderten zu sagen, da� zwischen den gro遝n Gef黨len und bunten Tr鋟men der Befreier der Phantasie um Viktor Hugo und den hinrei遝nden K鋗pfern f黵 die Idee der Menschenw黵de um Zola, da� zwischen beiden Verdiensten Flaubert den Roman weit 黚er diese Aufgaben in die volle Repr鋝entation seiner Rasse hinaufgef黨rt hat. Wohl hat er ebenfalls Farbe, und keiner konnte wie er malen, wenn er die See des Orients voll Flamingos sah, und die R鰐e des Schicksals purpurn 黚er Karthago flammte. Aber in seiner Farbe sa� die Anspannung eines Geistes, der nicht f黵 Gef黨le und nicht f黵 Soziales, sondern f黵 die h鯿hste Entfaltung und Freiheit einer aufs letzte gedr鋘gten und erh鰄ten Kunst lebte. Er hatte das andere alles auch, aber nicht als Zweck und nicht als Ende. Denn Kunst hat keinen Ablauf zwischen irdischen Zielen und zwischen zeitlichen Absichten, sondern entrollt sich erst rein in der zeitlosen Zone ungeheurer dichterischer Figur. Da ist dann auch Romantisches dabei und Soziales darunter, aber beides sind nur F鋜bungen, und beides sind nur Teile eines unabsehbaren Mosaiks von Gegebenheiten, die die R鋟me des Dichterischen nach den Gesetzen gro遝r Harmonien wie die Sternbahnen durchfluten. In diese H鰄e, wo nur ein Schurke gut und schlecht unterscheidet, und wo unter den Zw鋘gen der Gestaltung die Schicksale und Ereignisse sich vor dem Horizont der Ewigkeit vollenden, tr鋑t aber nur die gewaltigste Anspannung. Da� Kunst so enorm sei, und da� der Roman nicht ein Gew鋝ch und ein Gepl鋜r um gleichg黮tige moderne Probleme sei, sondern da� er in Dichtung hoch hinauf gefrieren m黶se, das wieder gezeigt und gelehrt zu haben, ist Flauberts unsterbliche Tat. Neben der Leistung aber steht sein Leben als sinnbildhafter Vergleich f黵 die Gewaltigkeit dieses Kampfes. Er t黵mte nicht neues Material wie Zola, er attackierte nicht den Herzmuskel wie Dumas, kam nicht gigantisch und wirr wie Balzac und h黮lte sich nicht in dichterische Melancholie wie Musset, er brauste nicht vielfarben wie Hugo . . . er go� seinen Roman aus Geist und Stoff und Sprache in ein fabelhaftes Gef溥, da� der Melodie der Sprache die ungehemmte Gr鲞e der Gedanken entsprach, wie der Breite des Stoffes die 黚erirdische Ungebundenheit, in der er ihn bewegte. Nach so vielen Verw鋝serern erschien endlich ein Erbauer des Romans. Diese B點her wurden nicht geschrieben, sie wurden geh鋗mert. Diese Sprache erz鋒lte nicht mehr, sondern sie war so transparent, da� sie versinnbildlichte. Diese S鋞ze waren nicht aus den Seifenblasen des Gef黨ls aufgetrieben, sie waren Architektur. Seit langem entstand zum ersten Male wieder ein Roman, der eine Welt in sich einschlo�, wo unter dem Kuppeldach der Dichtung alle Gef黦theiten der Seele und der Zeit in wahrhafter Gestaltung sich bewegten. Endlich wieder erschienen im Roman riesige Dimensionen der Idee im klaren Spiel sie begrenzender, zu h鯿hster Zucht hinaufgef黨rter Formen. Ein Gipfel war erreicht. Eine Sprache geschmiedet, die das Banalste fa遲e und vor Dichtertum gleichzeitig bebte. Ein Raum war umspannt an Weite, wie nicht zuvor. Der franz鰏ische Roman bekam mit neuer Wahrheit europ鋓sche Geltung. Das leichte Glissieren des Franz鰏ischen, das man gern nicht voll nimmt, erhielt durch seine Dichte neues Format. 躡er Balzac, der nicht nach H鰄e gliederte, 黚er Dostojewski, der in der psychologischen Gebundenheit seiner Figuren nie diese Freiheit erreichen kann, hat er ein neues Weltgef黨l dichterisch und mit aller Ungebundenheit der Bewegung eingerahmt. Es ist zwar keine Sache von dem Umfang eines Cervantes, der Breite des Rabelais, der wilden Gestuftheit des Shakespeare, so gro遝 Bauten schafft nur dies oder jenes Jahrhundert, das mit Kathedralen und g鰐tlich durchkreisten Stilen sein Weltgef黨l instrumentiert. Aber Flaubert schuf f黵 die D黱ne seiner Epoche ein Gebilde, das jeder Bedeutung angemessen, in seiner Strenge erstaunlich, mit seiner Konsequenz bewundernswert, und durch seine Gr鲞e ein stolzes Signal 黚er dem Jahrhundert ist. Seine Wichtigkeit ist international. Es gibt keinen Romanzier nach ihm, der ihn zu 黚ertreffen vermocht h鋞te, aber es gibt kaum einen von Bedeutung, der ohne ihn auch nur denkbar w鋜e. Der hellste K鋗pfer der westlichen Gesittung, unseres europ鋓schen Formwillens und agressiven Talentes hat sich hier gegen das mit barbarischen K鋗pfern des Geistes nahende Ru遧and aufgerichtet. Die Raumweite und die Se des Mittelalters hat er in seinen Tag hinein gespannt, aber er hat auch verstanden, die Schnelligkeit und die Blitzsch鋜fe und die flache Gl鋞te unserer Zeit zu der wahrhaften Souver鋘it鋞 zu gestalten, die die westliche Kultur in ihren h鯿hsten Punkten sicher inne hat. Auch hat Flaubert diesem Werk einen festen Unterbau gegeben. Seine Genauigkeit kannte keine Grenzen. Er las ein Buch von vierhundert Seiten 黚er Zypressen, weil er den Garten eines Astartetempels damit bepflanzen will. Er liest Dutzende von milit鋜ischen B點hern, weil er neue Effekte aus der antiken Kriegskunst, aus der klassischen Infanterie herausholen will. In vier Zeilen mu� er ein Arbeitshaus in Lyon erw鋒nen, darum schreibt er einen langen Brief mit Fragen 黚er die Lebensform, die Instrumente, er l溥t sich eine Zeichnung anfertigen; er macht eine Reise, um eine Gegend anzusehen, die er in drei Zeilen als Rahmen um eine seelische Auseinandersetzung legen will. Er l溥t den Helden der 婚ducation sentimentale� von Fontainebleau w鋒rend der Barrikadenk鋗pfe zur點kkehren, er entfaltet ein gro遝s Fragen, ob damals die Bahn existiert h鋞te, ob es wahrscheinlich sei, da� sie gesperrt gewesen sei, ob der Held den Wagen als das Nat黵lichere wohl nehmen k鰊ne oder ob nicht. Er l溥t denselben Burschen B鰎sengesch鋐te machen, aber er erkundigt sich in langen Briefen, welche Spekulationsobjekte zwischen Mai und Juni die g鋘gigsten seien. Er ist ein gro遝r phantastischer Autor, er brauchte von alledem kein Wort. Aber er will es wissen, er will auch dies beherrschen, er will hier wie 黚erall das festeste Fundament. Er wei�, da� die letzte Grundlage der Kunst die Natur und das Tats鋍hliche ist, und da� von da erst die Himmelfahrt in das Dichterische beginnt. Er ist ein Pedant der Phantasie, ein klarer Errechner der Visionen. Aber . . . er beherrscht auch dies Geringe, und das Bewu遲sein des Fundaments gibt dem Bau die Linie der Stetigkeit. Er arbeitet jahrelang an 籗alambo�, bis er aufbricht, es zu riechen, zu schmecken, und dann, den Duft des Erlebnisses, das Bild der Natur und des gl黨enden Himmels Karthagos im Hirn, zerst鰎t er, nach Hause gekommen, das m黨selig Geschriebene, und richtet sein Werk ganz nach dem Eindruck der Reise. Das Seltsame geschieht, da� der gr鲞te Vision鋜 der Prosa einen ganzen phantastischen Roman zur點kf黨rt nicht auf die sch鰊en Blitze seines Hirnes, sondern auf die Bilder, die ihn aus den armseligsten Resten gigantischer Historien, aus wahrlich kaum von der W黶te unterscheidbaren Ruinen packten. Um ganz gro� und frei zu sein, mu� man n鋗lich alles wissen, um es wieder vergessen zu k鰊nen. Man beweist 躡erlegenheit nicht, indem man beiseite schiebt, sondern indem man erprobt. Flaubert wu遲e alles, jedes medizinische, chemische, botanische Problem war ihm nah. Er (neben Strindberg) vereinigte das ganze Wissen seiner Zeit noch einmal, aber nicht, um es wie Zola zu beschreiben, sondern um es zu gestalten. Er brauchte es nicht, aber er besa� es und, wo man auch die Totalit鋞 seines Werkes anfa遲e, war er auch in den Details ein K鰊ner und sandte die Wissenschaftler, die ihn attackirten, ebenso wie den geschwollenen St. Beuve, die ihn mit Albernheiten angriffen, mit 黚erlegenen Witzen der Sachlichkeit nach Hause. Da� bei der Sitzung der wissenschaftlichen Gesellschaft dieser Romanschriftsteller der einzige war, der Hippokrates gelesen, ist f黵 den Glanz seiner Romane, die nicht wie die von France mit dem dekorativen Fries des Wissens beh鋘gt sind, so gleichg黮tig wie nur etwas, aber es zeigt den Geist, der hinter den Werken stand. Flaubert ist nie nach au遝n hin gescheit, aber er verstand es, das Wissen um die Dinge der Welt und die Kreise ihrer Kulturen in seine B點her so hineinzuformen, da� es unbemerkt darin stand als Teil eines Menschen oder einer Entwickelung, dergestalt, da� ihre Vollkommenheit so gro� war, da� sie das Milieu ihres Geistes nicht in Reden, sondern im Wesen hatten. So go� sich schon in den Voraussetzungen wundervoll straff die Struktur der B點her, f黵 die Marmor als Wort zu wenig und Stahl nicht s genug f黵 die Kraft ist. Denn was Hanswurste und Alberne das Artistische an ihm nennen, ist ja nur das 躡erragende, und da� er eben verstand, alles zu wissen und nichts davon sp黵en zu lassen, da� er hinter alles zur點ktrat und alles laufen lie�, aber dennoch eine Gewalt des Sinnbilds und eine Gr鲞e der Pers鰊lichkeit hinter das Geschaffene stellte, die furchtbar in ihrer Intensit鋞 und bezaubernd in ihrer Sch鰊heit sind. Dies alles wird erk鋗pft, bedroht stets von den Massen der Wochen und Jahre, die vor ihm stehen, und deren Schatten die Werke an die Wand werfen. Stets wu遲e er, da� ein Buch vier Jahre von Qualen, ein Kapitel Monate von Schmerzen kosten werde, da� er N鋍hte hindurch wie ein Toller, w鋒rend die Fischer ihre Boote nach seinem hellen Zimmer richteten, nach dem Ausdruck in seiner pr鋤isesten Sch鰊heit, nach dem Satz von der vollendetsten und gespanntesten Melodie suchen werde, und da� die Last der Jahre und der ungeheuren Schlachten durch den Wall der Wissenschaften und die Barrikaden der Zeit hindurch ihn fast erdr點ken werden. Dennoch wurde sein Menschliches nicht hart, sein Herz nicht Stein. Maupassant, sein Sch黮er, den er wie einen Sohn liebt, widmet ihm seine Gedichte so: 籊ustave Flaubert, dem ber黨mten und v鋞erlichen Freunde, dem meine ganze z鋜tliche Anh鋘glichkeit geh鰎t, dem untadeligen Meister, den ich vor allen anderen bewundere.� Und in der Tat, Flaubert hat den Maupassant nicht nur gelehrt, in gro遝m Stil und in wundervoll dichterischer Luft zu schreiben, sondern er war auch der Meister, der ihn anwies, im Menschlichen nicht zu versagen und in dem Zeitalter der Politiker, Schurken und kleinen W鋘ste ein Kerl zu sein. Flaubert hat wohl die Masse grenzenlos verachtet, weil er aus der Dummheit heraus den Urfeind f黵 das menschliche Geschlecht kommen sah. Dem einzelnen Menschen stand er mit Wohlwollen, manchem mit burschikoser G黷e gegen黚er. Seine Freundschaft war unumst鲞lich von Garantie. Die besten M鋘ner seiner Zeit liebten ihn. Er wu遲e, da� Freundschaft nicht ein gesellschaftlicher Akt ist, sondern zu beweisen sei. Zu den Premieren der Freunde f鋒rt er nicht aus Prestige, sondern um seine H鋘de und seine Bravos in ihren Dienst zu stellen. Eine Reise Flauberts aber war ein Losrei遝n von seiner Arbeit und ein Opfer von Bedeutung schon durch dies. Seine Briefe zeigen ein immer gro遝s Herz. Der Athlet mit dem Gesicht eines gallischen Kriegers barg, gemischt mit Verstand, ein r黨rendes Gef黨l des Taktes. Welche Anschmiegsamkeit bewies der Unerbittliche den ihm wesensfremden B點hern der fadenfein aristokratisch schw鋍hlichen Goncourts gegen黚er, wie schrie er derbe Komplimente 黚er sein freundschaftlich ger黨rtes Herz. Das machte aber, weil er larg war und seine Achtung vor dem k黱stlerischen Willen mit seiner herzlichen Gesinnung zu vereinen vermochte. Er, der so Vieles und so Hohes erstrebte und so sehr wie keiner um die M黨en wu遲e, hatte, wie jedes Genie, Respekt. Er war nicht einseitig und eine zu volle und gepr黤te Natur, als da� er sich nicht der Bedeutung, wie sie auch immer sei und ihm begegnete, beugte. Alles Gl黨ende, alles Erhabene lockte ihn. Er liebt Byron und Rousseau, Montaigne und Hugo, Voltaire und Baudelaire. Jeder Adel zog ihn an. Aber wie wu遲e er seine Natur zu z鋒men, wo die Achtung seine Empfindlichkeit zu 黚ertreffen hatte. Wie stie� Zola ihn ab, aber wie erkannte er dem黷ig sein Genie an. Wie l鋍herlich fand er La Biche, doch wie respektierte er das Handwerk selbst bei den Scharlatanen. Er war souver鋘 genug, anzuerkennen, und gro� genug, Tadel zu verwinden. Alles Niedere parierte er mit seinem L鋍heln. Seine Ritterlichkeit war die feste Achse seines Wesens. Als eine Zeitschrift Renan, den er verehrte, angriff, zog er seine Mitarbeiterschaft an dem Journal zur點k, dem er nah verbunden war, denn es war ihm unertr鋑lich, Bedeutung selbst von Freunden geschm鋒t zu werden. Er identifizierte sich mit dem Genie, aber er vers鋟mte nicht, es mit Noblesse zu tun. Ja er, der die Menschen verachtete und es auf sich genommen hatte, die ihn zerfleischende Bestie der Kunst allein zu lieben, konnte, wenn es sein mu遲e, die R點ksichten der Kunst zur點ksetzen f黵 seine Freunde, und als er f黵 den bedr鋘gten Maupassant einen Aufsatz in den 籊aulois� schrieb, den er nicht mehr 黚erlesen konnte, hat er gezeigt, da� auch im Menschlichen zu opfern sein k黨nes Herz im Stande sei. Auch verstand er das Leben genug, um zu wissen, da� Literatur zu machen und Kunst zu lieben nicht gen黦e, wenn es aus blassen Herzen komme und er, der nichts verachtete als das Gemeine und alles anerkannte au遝r dem Unedlen, stand genug fest auf dem Boden dieser Erde, um zu verlangen, da� die Dichter so von allen Spannungen zur H鰄e durchlaufen seien, da� sie alles beherrschen mten: den Fischfang und den Seiltanz wie das Gef黨l f黵 die Sch鰊heit. Sein gro遝s Herz ist ohne Echo geblieben wie das aller 黚erragenden. Er wurde ausgenutzt und verlassen, schenkte und erhielt nichts. Der instinktive Ha� der 謋fentlichkeit, der Presse, der Schreiber gegen das verh黮lt Gewaltige bewies ihm Sch鋎igung, nie eine F鰎derung. Doch er wu遲e dar黚er sein grimmiges L鋍heln zu l鋍heln. Er hatte eine Geliebte, die ihn nicht verlie�, und er hatte ja sein Dasein selbst gestaffelt und gew鋒lt. Er kannte seine Tragik. Denn er war mit gro遝m Anspruch an das Leben und zahlreichen Gel黶ten geboren. Aber die verdammte Literatur, f黵 die er sich v鰈lig entschieden, hatte sie alle in seinen Bauch zur點kgetrieben. Auch kannte er die Arbeit nicht nur als Wollust, sondern er kannte sie bis in ihre verbrecherischsten Tiefen: die Sch黷zengr鋌enk鋗pfe um die Kunst . . . und kannte f黵wahr die unfruchtbare Last der Tage und Wochen, wo er Kunst beschwor, und wo nichts kam, zu gut, als da� er Entt鋟schung im Menschlichen (was doch gering war gegen den Zustand, wo Kunst ihn verlie�) nicht leicht und rasch ertragen h鋞te. Dennoch war er ein Lebensk黱stler wie wenige. Wie die Solidit鋞 seiner dichterischen Gesichte war seine Kenntnis der Menschen fest fundiert. Denn durchschaute er sie nicht, w鋜e seine Unerbittlichkeit nicht so gro�. Er wei� alle Schlechtigkeit, man hat sie, jede, an ihm erprobt. Er wei� alle S黱den, denn alle Versuchungen sind an ihn herangetreten. Und die Welt und die Frauen, die er verlassen hat, und die Schritte der Dromedare in purpurnen Abendhimmeln und die gro遝n R鋟sche italienischer Buchten und der Segel des Nils sind nicht ohne Gr鲞e wahrhaftig an das ihnen verschlossene Haus in Croisset getreten . . . und alle Versuchungen der Welt hat wahrlich nicht nur sein 籋eiliger Antonius� durchlebt. Er kennt die Kompromisse, die das Leben ausstreckt, und er ist alt genug geworden, zu sehen, wie seine Generation und die Menschen seines Alters sich gehalten haben und er erschrickt. Er gibt nur einen Rat, hart zu sein und dem Edlen nur zu leben, das hei遲, unerbittlich nach Kunst zu streben und alles zu verachten, was nicht dahin zielt. Doch ist er Weltmann genug, die H鰂lichkeit in das Gebiet der Liebe und nicht in das der Strenge hin黚erzuziehen, und er verehrt und liebt seine Freundin, eine bonapartische Prinzessin, obwohl er wei�, da� ihre 膗遝rung 黚er Geistiges nicht mehr wiegt wie die eines sechsj鋒rigen Kindes, aber er wei� ebenso der Bem黨ung ihres Salons um Kunst und der W黵de ihrer Abkunft den Respekt zu geben, der geh鰎t. Er wei� auch, da� die Literatur der sicherste Ma遱tab f黵 die Menschen ist, doch ist ihm auch nicht fremd, da� die Wirklichkeit sich nie dem Ideal beugt, aber da� sie dieses vielmehr best鋞igt. Wer seine Zeit so verachtete, da� er aus seinen modernen Romanen stets wieder in die Glut der antiken st黵zte, wer sich erst 黚erwinden mu遲e, auch das Zeitgem溥e zu W黵de zu gestalten, kann f黵 Politik, die sein Jahrhundert verdarb, nichts anderes wie Abscheu haben. Er stand wie alle Geistigen zwischen den Lagern. Er hatte Sympathie f黵 die Tradition, soweit sie adlig war, aber er ha遲e die Reaktion. Doch war sein Blut zu aristokratisch, als da� er die Demokratie in einer Republik aufgeplusterter Mittelm溥igkeiten geliebt h鋞te. Er hatte soziales Gef黨l, aber er war kein Sozialist, ja er ha遲e diese Masse, die anr點kte, wie jedes Publikum. Er war wie sein gro遝r Vorfahr Cicero und wie Plato f黵 die Herrschaft einer Majorit鋞, die nicht Nummer und Masse ist, sondern durch Generationen aufgekl鋜t ist, aus der Geschichte gelernt hat und eine legitime Aristokratie abstellt. Da er aber wei�, da� dies der Brennpunkt aller Dinge ist, und da� hier die Dummheit unbesiegbar scheint und jene Tragik beginnt, die unser Dasein in Krieg und Frieden auseinander rei遲, wendet er sich mit der Geb鋜de der Verachtung ab. Er entscheidet sich f黵 die Kunst, der er treu dient wie keiner, und in deren Sph鋜e er diese Gegens鋞ze, ohne respektlos sich hineinzumischen, in gro遝n Gestaltungen seiner Hand schicksalshaft und mit monumentaler Geballtheit sich abrollen lassen kann. Doch war er durch den ewigen Verzicht, sich direkt zu 鋟遝rn, mit Meinungen bis zum Platzen gef黮lt. Er hatte nur immer, statt zu erkl鋜en oder zu loben oder zu verurteilen, in die Handlungen seiner Figuren alles karg hineingestopft, und es wuchs glatt in das Ebenma� ihrer Konturen. Er schrieb f黵 die Ewigkeit und die Dichtung und nahm daher nicht kritisch Stellung, er malte keinen Jahrzehntgott, sondern nur unter Dauergesetzen. Aber manchmal, wenn die Dummheit ihn zu ersticken drohte, entschlo� er sich wohl, im Alter, wenn er verdienstlich die gro遝n Werke beiseite gelegt und seine Mission erf黮lt h鋞te, Kritik zu treiben und in den Tag hinein das Schwert seiner Meinung zu tragen. Er kam nicht dazu. Doch war er so unintellektuell, so unj黡isch gescheit, da�, h鋞te er geschrieben, nicht der Clown St. Beuve, sondern Flaubert der gr鲞te Kritiker seiner Zeit gewesen w鋜e. Seine Briefe, Muster an kristallener Klarheit, geben die Geschichte seiner Zeit, die Kritik der Literatur und das Urteil ihrer Menschen darin, kurzweilig und furchtbar, derb und gewaltig und in jedem Sinn meisterlich. Flaubert wu遲e genau, wo er stand, was das Schicksal von ihm wollte und wohin er strebte. Das ist erstaunlich, mit welchem Anspruch auf Meisterliches und welchem Wissen um die Furchtbarkeit seines Kampfes sowohl wie auch um die vollendete H鰄e seiner Mission er auftrat. Erstaunlicher noch ist, wie die drei L鋘gengrade, die seine Wallfahrt gliedern: die Gr鲞e und das Leben und die Kunst, in einer unverwirrbaren Symmetrie sich durch sein Dasein gelegt haben. Worum verzweifelt die andern ringen, den _einen_ Ausgleich nur zwischen Kunst und Leben sich zu erfinden, das vermochte er, indem er sein Leben hingab, auch noch ohne Ersch黷terung mit dem Anspruch auf Gr鲞e zu vereinen. Die Opfer, die auf dem einen Ufer niedergelegt wurden, haben auf dem andern wundervolle Triumphe gebracht. Er wu遲e die unzerrei遙are Kette seiner Romane in dieses Dreieck einzuspannen, und was er an Leben hineingab, wuchs ihm an Gr鲞e wieder in das Herz zur點k, ein begl點kender Kreislauf. In ihm ward das repr鋝entative Werk des Jahrhunderts geformt. In diesem Sinne ist das b黵gerliche Verenden in der 籅ovary� nichts anderes wie der herrische aufgeb鋟mte Untergang in 籗alambo� und die 籚ersuchungen des Antonius� haben irgendwo die gleiche Welt wie das furchtbare Grau vor 籅ouvard et P閏uchet�. Flaubert, der immer disponierte und, ein gewaltiger Taktiker der Arbeit, die Laufgr鋌en gegen die Kunst lanzierte, hatte auf einen Samstag das Ende seines letzten Romanes und seine Abreise nach Paris festgesetzt. Er rief noch nach einem Parf黰 und starb an diesem Tage auf seinem Divan. Maupassant telegraphierte in die Welt. Zola reiste durch halb Frankreich und traf in der Droschke zwischen Croisset und Rouen auf der Landstra遝 den Leichenzug, dem wenige Menschen folgten und den im Tod die Treuesten selbst verlie遝n, und der den gr鲞ten Romanzier Europas ins Grab trug, das wiederum zu klein geschaufelt war, um seinen Sarg fassen zu k鰊nen, der kopf黚er in die Erde st黵zte, da� selbst die Menschen, die das Furchtbarste kannten, zu weinen anfingen 黚er die tolle Kraft des Todes, dem auch die erlesene Gr鲞e nichts anderes wog wie einen Witz. Als sie vorher auf dem kilometerlangen Weg durch die Sonne den Gallier mit dem Schnurrbart eines Feldherrn durch seine Vaterstadt Rouen fuhren, standen die Leute vor den Toren, um die Pariser Journalisten und Zola zu sehen. Der Name Gustave Flaubert erinnerte sie nicht an sein Werk, sie erinnerten sich vielmehr dabei seines Vaters, der Arzt in der Stadt gewesen war. Hier aber trugen sie unerkannt einen der besten S鰄ne des Jahrhunderts an ihnen vorbei. Voltaire wu遲e es: 籇as Leben ist ein kalter Scherz.� Aber der Ruhm ist ewig und 黚er alle Dummheit hinaus der Historie angeh鰎ig, wenn man solch ein K鋗pfer f黵 die Ewigkeit war. Kasimir Edschmid im zeitgen鰏sischen Urteil. * TIMES (LONDON): Kasimir Edschmid ist einer der ber黨mtesten Prosaschriftsteller der zeitgen鰏sischen deutschen Literatur. REVUE MONDIALE (PARIS): Edschmid ist ein gro遝r K黱stler und gleichzeitig eine der eindringlichsten Intelligenzen seines Landes, wie es seine Aufs鋞ze und sein kritisches Werk beweisen. GOETEBORGSPOSTEN (G諸EBORG): In der jungen Generation, die in Deutschland die M鰃lichkeit der Prosa erneuert, nimmt Edschmid eine leitende Stellung ein. L'ART LIBRE (BRUXELLES): Im Anblick seines ersten Buches hielt man Edschmid f黵 einen Novellisten. In den 籄chatnen Kugeln� beweist sich nunmehr eine bewunderungsw黵dige Gestaltung des Romans, und durch seine literarischen Aufs鋞ze hat er den ersten Platz unter den Kritikern in Deutschland eingenommen. HET GETIJ (AMSTERDAM): 籇ie doppelk鰌fige Nymphe� ist die Urteilssammlung heftigster Pr鋑ung 黚er alles heutige deutsche Dichten und Schreiben, ebenso umsichtig wie verantwortungsbewu遲. Eine solche 躡erlegenheit, da� die Erb黚el des deutschen Sagens 籙ngef鋒rsein, Tr鋟merei, Zuf鋖ligkeit� fast hinschwinden. NIEUWE ROTTERDAMSCHE COURANT (ROTTERDAM): Ein Blick auf Kasimir Edschmids Werk zeigt mehr wie alles Theoretische 黚er die neue Richtung des Romans. Die Frage, was sie in Deutschland will, kann im Weggehen 黚er die zeitlichen Zusammenh鋘ge und in dem Eindruck von einem gewaltigen, durchdringenden Lebensgef黨l durch den Roman 籇ie Achatnen Kugeln� glatt beantwortet werden. PESTER LLOYD (BUDAPEST): Die 籄chatnen Kugeln� eine m鋍htige Kurve durch Himmel und H鰈le des modernen Diesseits. Ein bis zur Utopie modernes Werk. 躡ernational nicht infolge Milieus, auch nicht infolge politischen Bekenntnisses, sondern infolge eines k鰏tlichen Mischblutes; hispanisch des farbentrunkenen Auges helldunkle Glut, gallisch der Linienf黨rung federnde Eleganz, germanisch der Gestaltung eiserne Konsequenz, angels鋍hsisch des athletischen K鰎pers Zentraleinstellung, skandinavisch aller menschlichen Brandung helle Keuschheit. Des Werkes pr鋑nanteste geistgeschichtliche Definition: der Gegenpol Dostojewskis. RUDOLF FRANK (FRANKFURTER NACHRICHTEN): Schon nach den ersten Abschnitten der 籇oppelk鰌figen Nymphe� dr鋘gt es Zeugnis abzulegen, da� hier ein Geist spricht, denkt, schildert und scheidet, wie ihn deutsche Literatur nur selten, ganz selten unter ihren zahlreichen Beurteilern fand. Seit Kerrs gesammelten Schriften kam kein Werk, das deutscher Literatur mit so untr黦erischem Instinkt, mit so treffendem Verstand, mit so umfassendem, durchgl黨enden Gef黨l und bildnerischer Kraft entgegenblickte als Edschmids 籇oppelk鰌fige Nymphe�. So schreibt ein Dichter Literaturgeschichte. In f黱fzig Jahren wird man diesen Edschmid einen deutschen Klassiker nennen. CARL STERNHEIM (TRIBUNAL): Ich habe Ihren Roman 籇ie Achatnen Kugeln� in einem Atem gelesen. Sie stehen mir mit seiner Vollendung kameradschaftlich vielleicht von deutschen Dichtern der Gegenwart am n鋍hsten. Eine Elementarkraft deutscher Dichtung. Nicht bravo -- aber Hosianna!! Ihre Sprache ist stellenweise zum Weinen sch鰊. Es gibt S鋞ze, wo ich kein Vergleich mehr bin. Aber Baudelaire ist es. Ich bin gl點klich, einem Mitschaffenden sagen zu k鰊nen: Ich danke. Das ist wundersch鰊. Indem ich Ihnen dazu, weil ich wei�, welch hohen Ehrgeiz Sie haben, als 膌terer die Hand dr點ke, bin ich sehr mitbeteiligt an der siegreichen Durchdr點kung Ihres Werkes gegen die zu erwartende Dummheit und Faulheit deutscher Kritik. REN� SCHICKELE (FRANKFURTER ZEITUNG): Reitet er nicht etwa gut, der Edschmid? Reitet er nicht sch鰊? Hat er nicht den Wind der ganzen, sich drehenden Welt im Gesicht? Voller Anmut selbst, wenn er salopp sitzt. Seine Novelle gibt sein volles Ma�, sein Wesen, H鰄e und Tiefe. Kritiken wie eine kann nur ein ganz starker Dichter schreiben. Ich glaube nicht mehr an die Literatur. Aber ich glaube an Kasimir Edschmid und sein Werk. PAUL COLIN (PARIS): Die 籇oppelk鰌fige Nymphe� ist das Chef d'oeuvre der zeitgen鰏sischen deutschen literarischen Kritik. HERMANN BAHR (NEUES WIENER JOURNAL): Ich nenne Kasimir Edschmid, der durch seinen hochgespannten, edlen Ehrgeiz, die gro遝, priesterliche Geb鋜de, die Strenge seines k黱stlerischen Gewissens, sein reines Pflichtgef黨l, den weiten Blick f黵 alle Probleme des Abendlandes und wohl auch durch seinen sorgsam verwalteten, klug gebrauchten Einflu� eine fast diktatorische Macht 黚er einen guten, ja vielleicht den besten Teil der gebildeten Jugend hat. ROBERT MUELLER (FREMDENBLATT, WIEN): Edschmid ist eines der stringentesten europ鋓schen Talente. Von Kasimir Edschmid erschienen: BEI ERICH REISS 躡er den Expressionismus in der Literatur und die neue Dichtung Kean, Schauspiel in f黱f Akten nach Dumas. * BEI KURT WOLFF Die sechs M黱dungen, Novellen / Das rasende Leben, Novellen / Timur, Novellen. * BEI PAUL CASSIRER Die F黵stin, Novellen / Die doppelk鰌fige Nymphe, Aufs鋞ze 黚er die Literatur und die Gegenwart / Die Achatnen Kugeln, Roman / Frauen, Novellen. * B點her aus dem Verlag Wolf Albrecht Adam DIE SCHWARZEN B蹸HER: 1. Theodor Lessing: D黨rings Ha� / 2/3. Kasimir Edschmid: Hamsun / Flaubert, Zwei Reden / 4/5. H. A. Korff: Goethe und der Sinn seines Lebens; Der Geist des west鰏tlichen Divans. Zwei Vortr鋑e. * 蹷ERNOMMEN: Aus dem Verlag Harry Wolff: Walther Teich: Die Gefangenen, Ein Spiel in 4 Bildern. Aus dem Verlag Der wei遝 Lotus, Frankfurt a/M.: W. A. Adam: Weltsymphonie. * * Druck Th. Sch鋐er Hannover * End of the Project Gutenberg EBook of Hamsun / Flaubert, by Kasimir Edschmid *** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HAMSUN / FLAUBERT *** ***** This file should be named 41306-8.txt or 41306-8.zip ***** This and all associated files of various formats will be found in: http://www.gutenberg.org/4/1/3/0/41306/ Produced by Jens Sadowski Updated editions will replace the previous one--the old editions will be renamed. Creating the works from public domain print editions means that no one owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. 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